Zeit zum Lesen

22. Februar 2007

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photo: Robert Brook

Der Zeitungsständer im Presseladen quietscht beim Drehen, was wohl daran liegen mag dass er alt ist und schon sozialistische Druckerzeugnisse festhalten musste, damit sie ihm nicht vom lechzenden Mauervolk aus den metallenen Händen gerissen wurden. Womöglich braucht er eine Ölung. Vielleicht liegt es aber auch einfach am Gewicht. FAZ, Süddeutsche, Bild, diverse Anzeiger und Tagblätter. Es ist einfach zu viel. Papier ist schwer.

Ich kaufe ab und zu eine große Tageszeitung. Die Titel wechseln. Manchmal ist es die FAZ, manchmal die Süddeutsche und im Notfall auch mal ein Blatt der Region in der ich mich gerade befinde. Allerorten gleich bleibt meine Enttäuschung über die Sinnhaftigkeit des Kaufes, weil ich es nie schaffe mehr als fünf oder sechs Artikel aufmerksam zu lesen. Es ist einfach nicht zu bewältigen. Beim Feuilleton der FAZ komme ich gerade so durch, aber den Rest der Zeitung habe ich gar nicht angeschaut. Wer soll das alles lesen? Und wann? Viel beschäftigte Megamanager haben dafür keine Zeit. Trotzdem werden sie als Zeitung lesende Intellektuelle in Flughäfen porträtiert. Glauben Sie nicht? Kaufen Sie mal ein Managermagazin.

Überdies kauft man ja gar keine Zeitung, sondern ein Buch. Ich verstehe nicht wie manche Menschen mehrere solcher Zeitungen an einem Tag konsumieren können. Wie machen die das? Es kann sich unmöglich bei all diesen Menschen um Speedreader handeln. Und selbst wenn, macht es denn Sinn Zeitungsartikel quer zu lesen? Wieviel Information geht dabei verloren? Und selbst wenn keine Information verloren ginge, wer sollte sie speichern?

Dabei stellt sich natürlich die Frage mit welchem Anspruch der Leser liest und mit welchem Anspruch der Redakteur schreibt. Geht es wirklich um Information oder doch mehr um Unterhaltung? Oder beides?

Also was ich eigentlich wissen will: Liest irgendjemand eine Zeitung komplett durch?

Der letzte von mir am Flughafen gekaufte Infobrocken der FAZ am Sonntag liegt mit dem „entzauberten Chrysler-Zetzsche“ nach oben in der Ecke und sammelt Staub. Aber es sieht hochgradig kosmopolitan aus.

Kommentare

5 Kommentare für “Zeit zum Lesen”

  1. strudel am 23. Februar 2007 um 01:02 Uhr

    ja, im Urlaub kaufe ich mir gelegentlich mal eine FAZ oder Zeit.
    Aber auch nur, weil es da schaffe mir die Zeit zu nehmen, fast alles durchzulesen. Diese Zeit hab ich aber auch nur deshalb, weil es dort kein Internet gibt. ;-)

  2. ReneS am 23. Februar 2007 um 04:52 Uhr

    Die Zeit lese ich im Schnorrerabo in Cafes. Ebenso die FAZ. Die Welt geht wegen Wirtschaft und Finanzen täglich durch meine Hände.

  3. Sven am 23. Februar 2007 um 13:54 Uhr

    du meinst wohl eher “kosmopolitisch”, oder ? :o)

    die zeitungen sind auch nicht zum vollständig lesen so umfangreich, sondern damit ein großes spektrum an interessen abgedeckt werden kann. ich lese auch maximal drei oder vier artikel täglich. aber die können dann auch gern richtig ausführlich und analytisch sein. und das sind sie in der faz meistens. wie z.b. heute, der sehr lesenswerte artikel “Pest und Cholera” von Professor Dr. Richard Schröder, der sich zum unterschied von erhöhter gewaltbereitschaft (ost) und ideell motviertem rechtsradikalismus (west) äußert. lesen !

  4. michael am 23. Februar 2007 um 14:04 Uhr

    @sven

    nein ich meine kosmopolitan!

    das ist mein blog und wenn ich es schreibe dann ist es ein wort.

    ätsch!

    ;)

  5. Eric am 23. Februar 2007 um 19:06 Uhr

    Mein Stadt, mein Viertel, meine Straße, meine Gegend, mein Blog… ;-)

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