Wie die Erdrotation zu Schlägerein führen kann
29. August 2006

photo: Sam Felder
Die unterschiedliche Dauer von Transatlantik-Flügen ist ein sehr interessantes Thema, finde ich, und es wird äußerst kontrovers diskutiert. Je nach Reiseerfahrung und Allgemeinbildung der Passagiere werden die wildesten Hypothesen in Umlauf gebracht.
Arabella-Kiesbauer-verseuchte Hausfrauen in Begleitung von Artgenossinnen zum Beispiel, erklären sich das Phänomen gern durch die Zeitverschiebung, ohne genau ausführen zu können, wie das denn bitteschön gehen soll. Tragischerweise hören die anwesenden Kinder interessiert zu und plappern später in der Schule alles nach. Nicht zu beneidende Physiklehrer haben dann alle Hände voll zu tun, die Bagage wieder auf Kurs zu bringen. Schließlich hat die Mama das so erzählt und dann muss es wohl stimmen.
Die etwas anspruchsvolleren Gelegenheitstouristen vom Typus Ballermannversager ziehen schon mal die Erdrotation als Begründung heran, weil diese ja bekanntermaßen nur in einer Richtung stattfindet: Beim Hinflug in Flugrichtung und beim Rückflug entgegengesetzt. Sie tragen diesen gequirlten Unsinn mit einer rhetorischen Sicherheit vor, die selbst zufällig anwesendes Flugpersonal in kurzfristige Selbstzweifel verfallen lässt.
Wenn ich diesen verhinderten Nobelpreisträgern in knappen Worten den tatsächlichen Grund für dieses Naturschauspiel vor Augen führe, nämlich Wind und Gegenwind, rümpfen sie angewidert ungläubig die Nasen, können sich das jetzt GAR nicht vorstellen und wo ich DAS denn wohl her hätte.
Gern würde ich ihnen entgegnen, dass sie statt Titten-Filmen auf SAT1 lieber mal Knoff-Hoff hätten schauen sollen und ab und zu ein Buch lesen, wär’ ja auch nicht schlecht. Aber die körperliche Überlegenheit meiner Diskussionspartner und die Aussicht auf eine eingeditschte Nase hält mich von dieser Torheit ab. Die Wahrheit macht die Menschen eben wütend.
(Auszug aus dem Roman “Zwischending”)





Jet-Streams nennt man das Zeug glaube ich. Da es nicht überall Jet-Streams gibt, müsste z.B. bei einem Flug Korea-Neuseeland die Sache kaum ins Gewicht fallen, zudem rotiert die Erde nicht in diese Richtung.
Jet-Streams sind kilometerlange Luftwirbel hinter dem Flugzeug und können das nachfolgende Luftfahrzeug zum Absturz bringen. Bei einem Flug über die See ist die Richtung ob Nord-Süd, West-Ost egal. Entscheidend ist wirklich der Wind. Auf Flugreisen von Deutschland in Richtung Kanaren schafft es eine 857-400 schon mal auf 930 km/h, die Rückreise kann dann schon anders aussehen. Ich hatte schon mal einen 10 Stundenflug von Gran Canaria nach Schönefeld.
Jetstreams sind Höhenwinde, die nicht von Flugzeugen erzeugt werden sondern reine Naturphänomene sind.
Die Luftverwirbelungen hinter Flugzeugen heißen Wirbelschleppen und sind in der Tat sehr gefährlich.
Daher hat auch der A380 große Probleme mit der Zulassung. Nachdem er gestartet oder gelandet ist, muss nahezu 12 Minuten gewartet werden bis zum nächsten Start oder zur nächsten Landung.
Hier gibt es nähere Infos zu den Jetstreams:
http://de.wikipedia.org/wiki/Jetstream
“…Besonders auf Linienflügen über größere Entfernungen, beispielsweise zwischen Nordamerika und Europa, ist der Effekt des Jetstreams deutlich spürbar.
Da es sich um einen starken und recht verlässlichen Höhenwind handelt, können Flugzeuge ihn nutzen, um eine höhere Geschwindigkeit und auch einen niedrigeren Treibstoffverbrauch zu erreichen.
Sowohl Flughöhen als auch Reiserouten werden deshalb an den Verlauf des Jetstreams so angepasst, dass man ihn als Rückenwind nutzen oder zumindest als Gegenwind meiden kann.
Er ist also unter anderem dafür verantwortlich, dass Flughöhen von 10 bis 12 Kilometer, je nach Höhe des Jetstreams, und Reiserouten weit abseits einer direkten „Luftlinie“ favorisiert werden.
Bei einem Flug über den Atlantik beispielsweise verläuft die Hinroute nach Europa einige tausend Kilometer nördlicher als die Rückroute, was eine Zeitersparnis von mehreren Stunden nach sich ziehen kann…”