Übergewicht ansteckend?
29. Juli 2007
Mit dem Übergewicht könnte es sich ähnlich verhalten wie mit einer ansteckenden Krankheit. Zu dieser Schlussfolgerung gelangt eine amerikanische Studie über die BBC in einem Podcast berichtet, den ich gerade gehört habe.
Ich habe reflexartig gelacht, dann aber gleich verstanden wie es eigentlich gemeint war. Es ist nicht von einer physischen, biologischen Ansteckung die Rede, sondern von einer psychosomatischen.
Wenn man in Amerika lebt, einem Land in dem zwei Drittel der Menschen übergewichtig bzw. stark übergewichtig sind, ist es nahezu unmöglich nicht ständig von eben solchen übergewichtigen Menschen umgeben zu sein.
Auf Touristen ist dieser Eindruck erschreckend, aber vorübergehend. Für Amerikaner gibt es keine Flucht. Sie sind diesem Phänomen ausgeliefert und so unwahrscheinlich dies klingen mag: Für sie ist es Normalität.
Es ist so normal, dass es aus Sicht des Einzelnen nachvollziehbar und akzeptabel wird, selbst übergewichtig zu sein. Fast alle anderen sind es schließlich auch. Denn selbst wenn man, sagen wir, 10 Kilo zu viel auf den Rippen hat, ist man immer noch schlank im Vergleich zu einem Menschen, der 50 oder 100 Kilo zu viel hat und von jenen gibt es Millionen in den USA.
Die Standards im Hinblick auf das was man „fett“ nennt verschieben sich. Es werden sogar neue Wörter erfunden, um die Würde eines Übergewichtigen nicht zu verletzen: „Weight challenged“ zum Beispiel. Ein Mensch mit einer Gewichtsherausforderung also.
Und so setzt sich der gesellschaftliche Prozess der Verfettung fort. Statt einer gezielten Aufklärung über die Ursachen hin zum Ziel der Änderung der Ernährungsmethoden und der körperlichen Ertüchtigung, wird das Übergewicht als Krankheit eingestuft, es werden Fettverbrennungspillen vermarktet und das gesamte Gesundheitssystem stöhnt unter dem Ballast seiner kranken Nutzer. Diabetes wird zur Volkskrankheit. Gleichzeitig jubilieren Pharmaunternehmen, die Medien und natürlich der Motor des Ganzen: Die Nahrungsmittelindustrie.
Die Falle ist komplett und es gibt nur einen Weg nach draußen. Durch die Gitterstäbe. Aber die sind eng beieinander.





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