Showbiz

20. August 2006

Backhausfest hieß es. Groß angekündigt war es. Gefunden hab ich es nicht. Drei mal bin ich vorbeigefahren und habe dann doch zwei Rentner gefragt. „Ach wissen Sie, hier ist ja immer irgendwo ein Fest. Das kann man so genau nicht sagen. Aber probieren Sie es doch mal dahinten.“

Ich probierte es mal dahinten und tatsächlich, da war was. Im Hinterhof eines Hotels standen eine Honigbude, eine Wurstbude und eine Kuchenbude. Traurige Gesichter, Langeweile.

„Ist das hier das ganze Fest?“ fragte ich eine offiziell aussehende junge Dame. „Ja, hier und da oben.“
Da oben war auch nicht mehr los. Ein paar Zelte, Bierbänke, Biertische, Bier und eine Theke. Was man so braucht aufm Dorf.

Im größten Zelt sang ein Männerchor. Alle Sänger trugen die gleichen Hemden mit einem Emblem und einem Spruch. Irgendwas mit „gegründet 1886“.

Vor dem Zelt saß ein Mann mit Siebzigerjahrefrisur der in ein Schnurlosmikrofon hinein moderierte. Alles prima, alles gut war so der Tenor und jetzt kommen wir mal zu unseren Gästen. Applaus für Gunda Niemann-Stirnemann! Gunda war viel zu stark geschminkt und erzählte dem Moderator eine Geschichte, die ich bereits während des Zuhörens wieder vergaß. Aber sie war kurz.

Dann kam noch ein Leichtathlet, dessen Name mir entfallen ist, der sich aber wunderte – und das müsse man sich vorstellen – das Deutschland sogar einen Marathonläufer hervorbringen kann, der dann auch noch eine Medaille gewinnt. Er selbst sah eher aus wie ein Kugelstoßer würde ich sagen.

„Ja die Europameisterschaft war ja toll, aber doch nicht ganz so toll wie die Fussball-WM. Das war ja sagenhaft, dieser Trubel, diese Euphorie“, leitete der Moderator über, „und dazu kann uns doch bestimmt Adolf Prokop was erzählen.“ Adolf erzählte und erzählte, textete durch ohne Punkt und Komma über unfähige Schiedsrichter, Kopfbälle und gelbe Karten. Eine glatte Viertelstunde jöselte dieser Mann wie ein Sportreporter in der Halbzeitpause und der Moderator nickte und freute sich über das leicht verdiente Geld. Frau Niemann-Stirnemann musste lachen über soviel Beckenbauertum. Ich auch.

Irgendwann war er doch fertig und jetzt kam Peter Ducke, Ex-Fussballspieler, der ja jetzt auch ein Buch herausgebracht habe, da drüben liegt es auch schon, und da könne man sich dann nachher auch eines signieren lassen, aber vorher gehen wir noch schnell Torwandschießen.

Gesehen habe ich es nicht, das Torwandschießen. Nur gehört. „Ah jetzt kommt die Gunda, meine Damen und Herren. Barfuß UND interessanterweise mit LINKS, meine Damen und Herren.“ Drei unten, drei oben. Der Ball klatschte dumpf an die Wand. Sechs mal jeweils, untermalt mit den Lobvokabeln des Moderators. „Hervorragend!“ „Guter Schuss“ „Na ja daneben, aber das war knapp!“

Als der Unsinn vorbei war, schritt der ganze Prominententross zur Autogramm- und Fotostunde. Die Gunda lächelte in die Billigknipse, der Kugelstoßer legte kollegial seinen Popey-Arm um einen LPG-Genossen . Die Fussballer signierten.

Nur einer fehlte, schon von Anfang an. Der Andreas. Schmidt-Schaller nämlich. Wegen dem war ich gekommen. Um ihn zu interviewen, nicht wahr. Aber er war weg und blieb weg.

Warum? Ich weiß es nicht, aber ich kann es ihm nicht verübeln.

Der wahre Star des Tages jedoch war eine Katze. Eine sehr sehr liebenswürdige Katze mit Halsband. Eine Diva. Sie tauchte auf, stolzierte durch die Reihen der Anwesenden, stubbste die Menschen sanft gegen die Beine, setzte sich zu ihnen auf die Bänke und ließ sich streicheln und liebkosen.

Ohne ein Wort zu reden hat sie all den mikrofonverstärkten Sabbeltaschen mit ihrem kurzen aber herzlichen Auftritt die Show gestohlen.

Wenn nur das ganze Showbiz so gediegen wäre.

Kommentare

2 Kommentare für “Showbiz”

  1. micha am 20. August 2006 um 14:48 Uhr

    Wenn ich ehrlich bin, würde ich als Prominenter auch nicht auf irgendeine Feier einer Bäckerei gehen wollen (die vielleicht noch nicht mal was mit mir zu tun hat).
    Also hab ich nichts verpasst. ;)

    Hast du denn ein paar Bilder gemacht?

  2. michael am 20. August 2006 um 15:47 Uhr

    Nein, heute gibt’s keine Fotos. Hab ja genug geschrieben um eure Vorstellungskraft anzuheizen.

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