Saturiert

30. Dezember 2007

“Doch, den einen Kloß kannst du noch! Und das Fleisch auch!” sagt Oma. Das heißt, eigentlich befiehlt sie es.

Ich könnte eh nicht widersprechen. Mein Mund ist voll.

Die anderen wollen sich “noch etwas Platz freihalten” für den Nachtisch. Eis mit Erdbeeren und Schlagsahne (30% Fett).

Gelegentlich unterhält man sich über die Unnötigkeit von Feiern. Der Aufwand sei viel zu hoch und die ganzen Kalorien könne keiner mehr verbrennen.

‘Das war früher auch schon so.’ denke ich bei mir, während der trockene, spanische Rotwein meine Rachenhinterräume veräzt und mich philosophisch stimmt. Nur früher haben die Leute wahrscheinlich noch härter und länger gearbeitet. Die Freizeit war viel kostbarer und das gemeinsame Feiern natürlich auch.

Wir leben in bequemen Verhältnissen und die Bequemlichkeit weitet sich so weit aus, dass wir keine Lust mehr aufs Feiern haben. Zuhause steht der Fernseher und der Pizzadienst bringt das Essen. Die Verpackung geht in den Müll. Das lässt sich schwer übertreffen.

Oma klappert mit dem Geschirr in der Küche. Wie früher. Ich werde müde.

Kommentare

2 Kommentare für “Saturiert”

  1. Watson am 30. Dezember 2007 um 17:47 Uhr

    Meine Oma sagt immer: Kind nimm noch nen Schlag ;). Früher gabs nur einmal in der Woche Fleisch, deshalb sind Omas so bedacht darauf, daß man nicht verhungert.

    Spanischer Rotwein ist immer gut, den hatte ich gestern Abend auch…

    Guten Rutsch !

  2. Just Neumann am 31. Dezember 2007 um 14:13 Uhr

    Schön!

    Da kommen eigene Erinnerungen auf und ich kann jedem Wort zustimmen.
    Ja - mit dem Feiern ist es so …
    Vielleicht - LEIDER?
    Oder - Sind wir doch froh, dass es uns so gut geht?
    Manchamal weiß ich ´s nicht genau ….

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