Redundante Verneinung

28. Februar 2007

paternoster.jpg
photo: dirk1812

Ich wollte euch heute einen Film über die aussterbende Spezies des Paternosters kredenzen. In dieser Stadt gibt es nämlich noch einen solchen, in einem Behördenhaus.

An der Pförtnerei, ebenfalls vom Aussterben bedroht, fragte ich zwei grauhaarige Sicherheitsmenschen in dunkelblauen Uniformen, ob es den besagten Paternoster noch gebe, was sie nicht nur bejahten, sondern mir diesen auch zeigten.

Als ich die Kamera heraus kramte, um dieses wichtige Zeitdokument anzufertigen, war es mit der Freundlichkeit vorbei.
“Filme machen dürfen Sie nicht. Fotografieren auch nicht.”
“Und warum nicht?”
“Sie dürfen es nicht?”
“Kann ich jemand anderen fragen um eine Erlaubis zu bekommen?”
“Nein, können Sie nicht.”
“Warum nicht?”
“Das geht nicht.”

Ich hätte dieses Spiel gern noch eine Weile weiter gespielt, aber ich weiß wohin es führt und insofern gab ich nach, um wenigstens noch mit dem antiquierten Gerät fahren zu dürfen.

Es war schön. Ich bin natürlich drin geblieben während der Umlenkung. Aber als ich auf der anderen Seite wieder hinunter kam, stand schon ein Hausmeister da und sagte er wolle mal schauen wer da spielt.

Wovor haben die eigentlich Angst? Vielleicht das ein fehlgeleiteter Mensch in diese schöne, aber politisch und auch anderweitig völlig unbedeutende Stadt kommt mit der einzigen Intention diesen blöden DDR-Fahrstuhl in die Luft zu jagen oder Geheimnisse seiner Konstruktion an die Russen zu verraten?

Ich finde es ist Zeit für eine Entspannung auf dem Gebiet des eingebildeten Terrorismus.

Kommentare

8 Kommentare für “Redundante Verneinung”

  1. micha am 1. März 2007 um 00:05 Uhr

    Die hatten bestimmt keine Lust. Wie spät wars denn, als du dort warst? Vielleicht kurz vor Feierabend?

  2. michael am 1. März 2007 um 00:15 Uhr

    Es war etwa um 11.

  3. Eric am 1. März 2007 um 07:53 Uhr

    Ich kenne nur einen PAternoster in Gera (Staatsbauamt - Puschkinplatz). Die Mentalität des / der Pförtner kann ich bestätigen. Witzig fand ich, daß ich immer der einzige bin, der mit dem Teil fährt, während ich im vorbeifahren andere Leute wartend am Aufzug stehen sehe. Es kostet manche anscheinend Überwindung mit so einem Teil zu fahren.

    PS: Ja, auch ich habe mein Kindheitstrauma überwunden und bin einmal oben herum gefahren - Ich kann bestätigen: Die Kabine wird am Wendepunkt nicht gekippt ;-)

  4. strudel am 17. März 2007 um 23:31 Uhr

    Bei Jenapharm wird einer der seltenen Paternoster als technische Rarität gepflegt.

    In vielen Gebäuden dürfen nur noch Privilegierte die Paternoster benutzen. Bei Jenapharm darf jeder Besucher mal fahren.

    Bei Jenapharm - also in Jena. Versuchs doch dort nochmal… :-)

    siehe OTZ, aber leider hält der Link nicht lange.

  5. michael am 17. März 2007 um 23:35 Uhr

    danke für den tipp!

  6. Tence am 27. November 2007 um 19:28 Uhr

    In Duisburg im Rathaus gibt es auch noch einen für Besucher :P

  7. Rumpel am 12. Dezember 2007 um 08:02 Uhr

    Hi,

    na das sind ja Geschichten hier…

    Ich bin gerade erst vor kurzem wieder mit einem Paternoster gefahren, hier in Berlin. Immer wenn ich jemandem so ein Teil zeigen will, der noch nie damit gefahren ist, dann schleppe ich ihn in´s Schöneberger Rathaus. ;)

    Es gibt zwar noch weitere dieser herrlichen Fahrstühle hier in der Stadt, aber gerade in diesem altehrwürdigen Gebäude ist die Fahrt in diesem alten Paternoster, der sich leider nur über drei Etagen erstreckt, für mich jedesmal eine ganz besondere Freude. :D

    Selbstverständlich, daß wir dann mindestens eine komplette Runde mitfahren… ;)

  8. Wolfgang Flemming am 18. März 2008 um 01:39 Uhr

    Hi,

    die Anlage in der Uni Leipzig gibt es nicht mehr, denn das Haus wurde im Sommer 07 abgerissen.

    Wer Paternoster-Infos sucht, findet sie auf meine Website:
    http://www.alice-dsl.net/wolfgang.flemming

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