Na endlich mal wieder ein guter Film
23. November 2006

Ich raffe mich selten auf zur Überraschungspremiere im UCI am Mittwochabend. Gestern habe ich es getan und wurde belohnt.
„Als das Meer verschwand“ (In my father’s den) ist ein neuseeländischer Film. Nun ist Neuseeland zwar bekannt als atemberaubende Filmkulisse, dem entgegen allerdings weniger als Ursprungsort hochwertiger Filmkunst.
Ich könnte versuchen die Handlung zu beschreiben, überlasse dies aber Eric. Der hat es schon getan:
Nach 17 Jahren Abwesenheit kehrt der renommierte Kriegsreporter Paul (Matthew MacFadyen) zur Beisetzung seines Vaters zurück in seine kleine Heimatstadt in Neuseeland. Dort wird er nicht gerade freundlich empfangen von seinem Bruder, dem Straußenzüchter, oder seiner Ex, die er vor 17 Jahren zurück ließ, und die nun eine eben so alte Tochter hat. Ausgerechnet dieses Mädchen verliebt sich nun in den weit gereisten, weltgewandten Fremdling, was die Stimmung im Dorf nicht eben hebt.
Eine verschachtelte Familientragödie mit Thriller-Elementen voll großer Bilder kredenzt nach bester Landestradition der neuseeländische Regisseur Brad McGann.
Ich würde noch ergänzen, dass der Film fast ohne die derzeitig gängigen Hollywood-Stilmittel auskommt. Niemand wird blutspritzend oder sonstwie kompliziert aus dem Leben gerissen. Außer einer Frau, die sich mit einer Schrotflinte den Kopf wegschießt, aber das sieht man nicht. Man hört es nur. Eine andere Frau stößt ein Mädchen über eine Brüstung. Das Mädchen fällt auf einen Couchtisch. Aus.
Das Plot bleibt auf dem Boden und man hat das Gefühl sich in einer Handlung zu befinden, die so oder ähnlich möglich wäre. Es geht um Menschen und ihr Agieren in gewöhnlichen und ungewöhnlichen Situationen. Die Abwesenheit gekünstelter oder stilisierter Verhaltensweisen wirkt beruhigend auf den egoreduzierten, Superheros nacheifernden Normalbürger.
Trotz dieses scheinbar unpretenziösen Hintergrundes ist der Handlungsaufbau derart fesselnd, dass, zumindest bei mir, keine Langeweile aufkam.
Ich empfehle diesen Film als Gegenmittel zum neuen Bondfilm oder all dem anderen Trash für den man hierzulande Geld zahlen muss.
Männer: Nehmt eure Freundinnen mit. Es gibt was zu weinen. Das ist gut für die Beziehung.





Du hast gespoilert…siehe: http://de.wikipedia.org/wiki/Spoiler_(Medien)
Den Satz mit dem Couchtisch würde ich weglassen, das nimmt sonst den Besuchern den Spaß, wenn Du einen wichtigen Teil des Films, bzw. das Ende verrätst.
Wie ist das eigentlich zu verstehen: “Es gibt was zu weinen. Das ist gut für die Beziehung.”?
Das Zitat, was ich im Interview gesagt habe, war im übrigen nicht ganz richtig. Es muß heißen “Ich möchte lieber im nirgendwo ein jemand sein, als im irgendwo ein jemand” - wir haben das gestern bei der FRühstückspause nochmal ausgewertet.
“…allerdings weniger als Ursprungsort hochwertiger Filmkunst.”
Da fallen mir spontan Gegenbeispiele ein:
DER HERR DER RINGE
und ähnlich tiefgründig wie der heutige Film, das oscarnominierte Meisterwerk WHALE RIDER
guten morgen herr chefredakteur!
äh… der couchtisch. ich überleg mir das.
herr der ringe und whale rider: siehe “weniger” als Ursprungsort. Weniger als Hollywood eben.
das interview: das können wir nicht senden, aber ich behalte es zur privaten belustigung.
und jana: du hast wirklich schöne wimpern
Also weinen musste ich nicht, fand den Film aber trotzdem sehr schön!
Ein großes Lob an die Ü-Premieren-Macher! Vielleicht kommen ja ab jetzt öfter mal anspruchsvollere Filme.
… und der alte Charmeur Michael macht mich ganz verlegen!