Mio fratello è figlio unico
1. Mai 2008
Nach langer Pause war ich gestern mal wieder in der Überraschungspremiere des UCI Gera.
Nun ist es bei dieser Vorstellung üblich dass man vorher nicht weiß was kommt. Daher der Name. Aber es gibt gewisse Anhaltspunkte die Kenner nutzen um abzuschätzen was sie potenziell erwartet. Zum Beispiel der Vorspann.
Im Vorspann des gestrigen Films tauchte zuerst das Logo einer gänzlich unbekannten Produktionsfirma auf. Ein erstes Raunen ging durch die Menge. Die nächste Einblendung informierte die Zuschauer darüber dass der folgende Film vom Land Baden-Würtemberg gefördert wurde.
Die Reaktionen im Publikum reichten von böser Vorahnung: “Oh oh” über Trauer hinsichtlich des ausgegebenen Eintrittspreises “Scheiße!” bis zur völligen Resignation. Einige Zuschauer probten sogar für ihren baldigen Suizid.
Glücklicherweise war es dann doch kein deutscher Film, sondern ein italienischer: “Mein Bruder ist ein Einzelkind.”
Das Werk brauchte eine Weile um in Gang zu kommen, war dann aber doch eine ziemlich interessante Studie des Italiens der 60er Jahre, welche in der Hauptsache um zwei Brüder und ihre Familie rotierte, damit wohl aber einen großen Teil der italienischen Bevölkerung charakterisierte. Der Film hat angeblich 5 “italienische Oskars” erhalten und das bedeutet scheinbar dass die Italiener ihn gut finden.
Eric und ich haben nach der Vorstellung einen Podcast aufgezeichnet, den ihr euch hier anhören könnt.





Was ist jetzt so schlimm an deutschen Filmen?
In aller Regel sind deutsche Filme auf eine gewisse Art bedrückend. Entweder sind sie extrem langatmig, oder theorisierend, schwermütig oder aufgesetzt komisch.
Ihnen fehlt oft die von innen strahlende Echtheit, das Unverfälschte. Man geht am Ende aus dem Kino mit dem Gefühl sich angestrengt haben zu müssen um diese Illusion zu konsumieren.
Klar gibt es auch Ausnahmen. Aber eben nicht viele. Deutsche Filme sind halt so wie wir Deutsche.
Richtig gut sind die deutschen Filme, die deutsche Wirklichkeit darstellen, also nur das was ohnehin da ist.
Leider finden deutsche Filmemacher die deutsche Wirklichkeit anscheinend zu bedrückend. Ironisch oder?
Ich finde, daß gerade der deutsche Film in den letzten Jahren viel mutiger geworden ist, was auch direkt mit den den internationalen Erfolgen im Einklang ist. Es gibt viele Filmemacher, die den Mut haben, sich von Subventions- und Förderzwängen und den damit verbundenen Vorschriften bzgl Story und Filmcharakteristik lösen und ihre eigenen Visionen umsetzen. Die guten Beispiele hier aufzuzählen würde zu weit führen, aber kurz gesagt: der moderne deutsche Film ist mehr als “Feuer Eis und Dosenbier” und “Mädchen Mädchen”.
Ich habe keine Problem mit Filmenden, die mich noch ein paar Stunden lang “verfolgen”.
Und der -ich sage mal- deutschsprachige Film muss sich nicht verstecken.
mir fallen da spontan ein:
Slumming, Anatomie, Was nützt die Liebe in Gedanken, 4 Minuten, Elementarteilchen, Wer Früher stirbt, ist länger tot, Lola rennt, Die fetten Jahre sind vorbei, Das Experiment, Nirgendwo in Afrika, meinetwegen auch Lammbock,
Die oben genannten Filme unterschreibe ich bis auf “Nirgendwo in Afrika” und “Wer früher stirbt ist länger tot”. Dafür würde ich “Bang Boom Bang”, “Was tun wenns brennt”, “Nachtgestalten”, “Jena Paradies”, “Halbe Treppe” und “Das weiße Rauschen” hinzufügen.
PS: Der von Dir genannte “Die fetten Jahre sind vorbei” ist wohl eins der besten Beispiele für das moderne subversive Deutsche Kino.
Ihr habt noch “Sommer vorm Balkon” vergessen
. Die fetten Jahre sind vorbei ist m. M. nach einer der besten deutschen Filme der letzten Zeit . Wenn wir schonmal dabei sind, auch nicht schlecht ist “Der Fischer und seine Frau” .
Stimmt Bang Boom Bang war sau lustig!