Mangelware Einsamkeit

24. September 2006

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Man mag es sich kaum vorstellen, aber an einem Sonntag bei schönem Wetter ist es in der Tat höchst schwierig einen Platz in der Natur zu finden, der nicht von anderen Menschen frequentiert wird. Und dabei spreche ich nicht mal von einer Großstadt, sondern bloß von Gera.

Zwei Stunden bin ich heute am Fluss herum geirrt, habe Trampelpfade auf mich genommen, bin an Uferböschungen herumgeklettert, habe mich hinter Bäumen versteckt. Aber es war einfach nichts zu machen. Der nächste Mensch war nie weiter als 100 Meter entfernt.

Wir haben uns gegenseitig aus den Augenwinkeln beobachtet und geseufzt. Weil wir alle das selbe wollten. Einen schönen Platz in der Sonne und unsere Ruhe.

Es ist das typische Freibadsyndrom. Man legt sich ganz ans Ende der Liegewiese, weil da nicht so viel los ist. Das klappt für etwa 10 Minuten. Dann kommt ein Pärchen, legt sich dazu und knutscht. Im Laufe der Zeit werden es immer mehr und irgendwann liegt man umzingelt von Sonnencreme ausdünstenden Frischluftwegatmern und eine Horde dummgrölender Teenager mit Sixpackbäuchen bolzt einen WM-Ball auf 4 Quadratmetern umher.

Schuss! Und Tooooor! Der selbe Kerl kriegt den selben Ball zum dritten mal an die Omme und eigentlich reicht es ihm, aber er versucht cool zu bleiben, denn das Freibad ist voll und umziehen bringt gar nichts. Der Zonk ist allgegenwärtig. Äääääääääääääääääääää!

Genauso habe ich mich heute gefühlt.

Manchmal habe ich diese Fantasie ich wäre ganz allein auf der Welt. Keine anderen Menschen, nur Tiere und so. Also für ein paar Tage wenigstens. Dann können sie wiederkommen, die anderen. Brauch nur mal ne Auszeit. Zum Reflektieren. Und zum bargeldlosen Einkauf. Stellt euch das mal vor. Ganz allein im Supermarkt oder in einem Kauftempel. Nur das man halt nicht bezahlt.

Nach dem Shoppen würde ich mich mit einem geklauten Liegestuhl aus dem Gartencenter mitten in die Fußgängerzone prätzeln, Martinis schlürfen, „Echo der Frau“ lesen und dann den Inhalt des ganzen Zeitungskiosks aufschütten, ein gewaltiges Feuer machen, auf der Strasse, um dann mit der Verbrennung von Schundliteratur aus der Buchhandlung zu beginnen. „Ich übergebe die Schriften von Dieter Bohlen dem Feuer…“

Kommentare

2 Kommentare für “Mangelware Einsamkeit”

  1. Johannes am 25. September 2006 um 09:52 Uhr

    ist es schon soweit, dass gera nicht mehr zu den großstädten zählt? meiner meinung nach soll das doch erst ab 2008 der fall sein…..

  2. Michael am 25. September 2006 um 15:34 Uhr

    na ja, ich glaube statusmäßig ist gera eine großstadt, weil die einwohnerzahl übr 100,000 liegt, aber ich meinte richtige großstädte. berlin, hamburg, so was

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