Kunst oder Technologie?

28. September 2008

Die Kunstsammlung Gera zeigt in der Orangerie derzeit eine Sonderausstellung, bei der es um Landschaften geht.

Das Spannende daran ist, dass dort Bilder aus zwei sehr unterschiedlichen Perioden buchstäblich nebeneinander hängen. Zum einen sind es Malereien niederländischer Meister aus dem 17. Jahrhundert und zum anderen Werke von Malern die heute in Europa und Amerika leben und zwischen 30 und 60 Jahre alt sind.

Anfangs fand ich es schlicht interessant die verschiedenen Stile zu sehen, aber dann entwickelte sich eine ganz neue, einleuchtende Erkenntnis: Die Malerei aus dem 17. Jahrhundert war die Fotografie jener Zeit. Natürlich gab es zum Beispiel 1650 noch keine Fotografie. Die kam erst 200 Jahre später. Aber die Genauigkeit und Schärfe der Abbildung zielte schon mehr auf eine Dokumentation hin, als eine verklärte Fantasie.

In dem Maße wie sich die Technologie weiter entwickelt hat und genaue Abbildungen ohne die Malerei möglich wurden, scheint die Malerei die Rolle der Verklärung und Andeutung angenommen zu haben. Genau das sieht man, wenn man sich die zeitgenössischen Werke in der Ausstellung anschaut: Unschärfe, Detaillosigkeit, Fantasie. Das Gegenteil von Dokumentation, sozusagen.

Ich bin nicht sicher ob diese Erkenntnis Sinn der Ausstellung war, aber jedenfalls ist es meine Interpretation.

Die Ausstellungsstücke entstammen der SØR Rusche-Sammlung. Mehr Informationen gibt es hier.

Kommentare

8 Kommentare für “Kunst oder Technologie?”

  1. Just Neumann am 29. September 2008 um 10:03 Uhr

    Interessante Interpredation!
    Vielleicht eine Bereicherung der Kunstgeschichte?
    Jedenfalls ist diese Auffassung nachdenkenswert …

  2. Watson am 29. September 2008 um 14:06 Uhr

    Das ist schon eine interessante Theorie, aber ich denke das 1650 die Maler auch wegen der Kunst gemalt haben und nicht (nur) wegen der Dokumentation. Obwohl es wirklich Bilder gibt die wie Fotos aussehen.

    Vorletzte Woche habe ich es endlich zu Otto Dix geschafft und fand sein Zitat sehr schön: ” Meine Bilder brauchen wir nicht zu diskutieren, die sehen wir doch … “

  3. Michael von Thueringen am 29. September 2008 um 14:44 Uhr

    @Watson

    Was Otto da von sich gegeben hat, ist dieselbe Ausrede die Künstler aller Art auch heute vorschieben.

    Sie wollen nicht erklären müssen was sie da gemacht haben und wenn es jemand nicht sieht oder versteht, dann hat er keine Ahnung von Kunst.

    Diese maßlose Überheblichkeit gegenüber jenen die verstehen wollen, hat mich schon immer angekotzt.

    Ich hätte nicht wenig Lust allen derart abgehobenen Malern eine schallende Sammelohrfeige zu erteilen.

    Wenn sie nicht wollen, dass andere Menschen versuchen ihre Werke zu verstehen, dann sollten sie diese nicht ausstellen.

    Tun sie aber. Des Egos wegen.

  4. Watson am 29. September 2008 um 16:22 Uhr

    Was hast Du denn heute für Laune ? Ich glaube, da wird oft eh viel zu viel in Bilder reininterpretiert. Laß die Künstler mal Künstler sein. Deswegen sind sie ja Künstler.

  5. Michael von Thueringen am 29. September 2008 um 17:02 Uhr

    Ich hab nichts gegen Künstler, oder Kunst. Ich hab was gegen das elitäre Getue, das sie umgibt.

    :-)

  6. Watson am 29. September 2008 um 17:56 Uhr

    Das hast Du doch in jeder (fast) “Branche” …

  7. micha am 29. September 2008 um 18:20 Uhr

    “Ich hab was gegen das elitäre Getue, das sie umgibt.”
    Jetzt weisst du ja auch, wohin du meinen “Künstler!”-Spruch einordnen kannst. :)

  8. Just Neumann am 30. September 2008 um 19:28 Uhr

    Wirklich interessante Disskussion!
    Da kommt die Frage auf: Was ist Kunst? Und - kann man Kunst verstehen?
    Erklären, glaube ich, kann man Kunst nicht; man kann sie nur auf sich wirken lassen.
    Und - wenn ich bei Beethovens “Neunter” oder van Goghs “Sonnenblumen” nichts empfinde, dann bin ich nicht der richtige Empfänger. Erklärungen, meine ich, helfen da auch nicht.

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