Kulturbahnhof

29. Dezember 2005

Es schneite heftig, als ich am Sachsenplatz ankam. Die dicken Flocken flogen mir genau in die Augen. Schneeblind heißt das dann wohl.

Geradeaus der Südbahnhof. Ein Wagon der Vogtlandbahn schaute hinter dem Gebäude hervor. Hhhmm, und wo ist jetzt dieser ominöse Sächsische Bahnhof? Ein Stück weiter, links vom Südbahnhof erspähte ich ein Backsteingebäude. Das könnte er sein. Da war zwar ein Schild auf dem etwas von Post stand, aber das stand da wohl schon länger, wie das meiste in dieser Gegend. Bewohnt sah es nicht aus, das Haus. Von außen jedenfalls. Ein paar Autos links davor, aber das musste nichts bedeuten.

Als ich schon fast vorm Portal stand, deutete immer noch nichts auf die Anwesenheit von Menschen hin. Außer ein paar deutlichen Fußspuren im Schnee. Schuhgröße 44 würde ich sagen, 75 Kilo, 25-30 Jahre, männlich, Südhang. Etwa zwei Stunden alt, vielleicht zweieinhalb. Das linke Bein leicht nachgezogen. Ha! Jack London lesen lohnt sich eben doch.


Sascha im zukünftigen Biergarten

Ich stand vor der Tür und lauschte. Irgendwas klapperte da drinnen. Ich klopfte. Und siehe da, mir wart aufgetan. Sascha, wie sich später herausstellte. Er ist einer von vier Männern, die den Sächsischen Bahnhof inklusive Grundstück gekauft hatten. Sascha ist der fröhlichste von allen. Ich glaube er kann gar nicht böse schauen. Die anderen schon eher. Sie beäugten mich. Dieser typisch deutsche Gesichtsausdruck. Was will der denn? Aber das kenne ich schon.

Ich erzählte kurz warum ich da war. Keine Bange, ich will nix böses. Interesse am Projekt, Blog für Gera, Internetradio, alternative Themen. Ich kann es fast auswendig. Sascha führte mich rum, sehr freundlich, sehr informativ. Drinnen müsse noch viel gemacht werden, wird wohl Jahre dauern bis es perfekt ist, ein kultureller Treffpunkt solle es werden, mehrere Räume, eine Bar, eine Kneipe, zwei Säle für Veranstaltungen, jeder kann mitmachen, ein paar hätten sie sogar schon gehabt, Kabarett zum Beispiel, die nächste dann im 21. Januar, „Verbrannte Erde“, Rockband aus Gera.

Dann gingen wir zur Hintertür hinaus und standen dort wo später ein Biergarten sein soll. Es ist die alte Plattform für die Passagiere. Wie eine große Terrasse sieht sie aus. Eine vermutlich sehr alte und weit verzweigte Kletterpflanze wird im Sommer Schatten spenden, wenn die Sonne im Süden vorbei zieht. Ein schöner Platz. Ich konnte mir es richtig vorstellen. Das Grundstück ist übrigens nicht auf das Gebäude begrenzt, sondern setzt sich südlich noch etwas fort. Da lässt sich einiges anstellen. Den Biergarten vergrößern zum Beispiel.


Der Innenraum im Erdgeschoss

Wieder zurück im Inneren des Hauses wurde Sascha weggerufen, einen antiken Kachelofen umplatzieren. Ich fotografierte inzwischen. Übrigens ein Tipp für Hobbyfotografen: Wer Industriethemen liebt, wird hier garantiert fündig. Der Sächsische Bahnhof ist ein echtes Kleinod. Innen und außen. Architektur, Ausstattung, sogar Möbel.

Sascha erzählte mir noch etwas über die Geschichte des Hauses und wurde dann wieder weggerufen. Es wurde jetzt definitiv arbeitsam. Zeit für mich, nicht länger im Weg zu stehen mit meinen zehn Daumen. Da wäre sonst nur was passiert.

Mein Bauchgefühl sagt mir (und es irrt sich selten), dass was wird aus dem Sächsischen Bahnhof. Ich wünsche es den vieren. Und ich wünsche es Gera.

Kommentare

Ein Kommentar für “Kulturbahnhof”

  1. Anonymous am 4. Februar 2006 um 13:01 Uhr

    guckst Du hier
    (äh, Du hast ein sehr gutes Bauchgefühl) ;-)

Möchtest du etwas loswerden?