Interview-TV
9. Juni 2007

quelle: amadelio
Journalistisch hochwertige Videos sind schwer zu finden in den tiefen Wassern des Internets. Zumal Dreck oben schwimmt. Doch ab und an wird man fündig und glaubt gar nicht, dass es sowas noch gibt, kostenlos obendrein.
Amadelio ist nicht das, was man populär und cool nennen würde. Bei der evangelischen Anmoderation hat es mich sogar ein bisschen geschüttelt. Aber der Inhalt ist feinsinnig, ausgesiebt und absolut sehenswert.
Etwas gewöhnungsbedürftig ist auch ein Stilmittel, das ich bisher noch nicht kannte: Die Fragen des Interviewers sind, bis auf wenige Ausnahmen, heraus geschnitten. Das heißt, es reihen sich nur Antworten aneinander. Das nervt am Anfang, aber irgendwann merkt man, dass sich die Fragen ohnehin aus den Antworten ergeben und außerdem die Konzentration beim Zuhören höher ist, da man sich ständig fragt worum es eigentlich geht. Bis man es begreift und sich wie ein kleines Kind fühlt, welches zum ersten Mal einen Würfel durch das quadratische Loch eines Formzuordnungsspiels bugsiert.
Adelio macht es dem Zuschauer nicht einfach. Es biedert sich nicht an, liefert aber Unterhaltungswert und Information. Dadurch entsteht ein Spannungsfeld zwischen Abneigung und Bewunderung, in das man sich immer wieder begiebt, um die ein oder andere Emotion zu bedienen.
Am Ende bleibt für mich die Frage nach der Absicht dieses Konzepts. Aber das kann ich ja mal im Rahmen eines Interviews klären. Radio diesmal.





Fein, großes Danke für den Link. Habe mir schon einige Interviews angesehen - finde allerdings den Zusammenschnitt, also ohne die Fragen des Interviewers, weder störend noch neu/ungewöhnlich.