In and Out

12. Februar 2006

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Teil 1

Warum sind manche Gaststätten immer gut besucht, manche Kneipen jederzeit voll und bestimmte Bars bis fünf Uhr früh geöffnet, während andere weniger beliebt sind, wieder andere vor sich hin dümpeln und „nach langer Krankheit“ irgendwann sterben?

Erklärungsversuche gibt es genug. Die Lage, das Inventar, die Bedienung, das Essen, die Preise, die Musik, das sich jeglicher Definition widersetzende „Ambiente“, die tollen Sofas, die Gäste usw. Man könnte es ewig so fortsetzen.

Fragt man einen ehrlichen Wirt nach seiner Meinung, so wird er mit den Schultern zucken, denn selbst er weiß es nicht. „Da steckst du nich drin.“ Diesen Satz höre ich immer wieder.
Und wenn ich ehrlich zu mir selbst bin, weiß ich es auch manchmal nicht. Es gibt zum Beispiel eine relativ neue Bar im Zentrum, die ich genau beobachte und von der ich schon beim ersten Besuch wusste, dass sie nicht lange existieren wird. Keine Ahnung wieso. Es ist einfach nur so ein Gefühl.

Die Einrichtung ist nicht abstoßend schlecht, die Farben annehmbar, die Möbel bequem, Preise gehen so, die Bedienung na ja, Lage top. Insgesamt mindestens sechs von zehn Punkten. Geht eigentlich. Trotzdem wird es nichts werden und die Besucherzahlen zeigen es auch. Ich zähle zwar nicht nach, aber jedes Mal wenn ich an der Kneipe vorbei gehe ist niemand da und der Kellner liest Zeitung. Warum?

Bei erfolgreichen Etablisments ist das genauso. Man kann einfach nicht sagen warum sie so „cool“ sind. Aber sie sind es offensichtlich, weil eben alle dort wie verabredet hin rennen. Noch erstaunlicher finde ich den Erfolgszyklus, dem viele Lokale unterworfen sind. Anfangs ganz toll, dann langsam abebbend, einsetzender Publikumswechsel, plötzlich und aus heiterem Himmel absolute In-Kneipe einer Szene, die nie angesprochen werden sollte und dann wieder allmähliche Talfahrt, Abwanderung, Winterschlaf, Auftakt zu einem neuen Kreislauf.

Trotz allem Unerklärbaren gibt es Anhaltspunkte die sich wohl definieren lassen. Am ehesten fällt mir da die gleich bleibende Qualität ein. Wenn ich einen Tee bestelle und alles wird sauber serviert, auf der Untertasse liegen zwei kleine Kekse und der Löffel ist sauber, dann ist das gut. Wenn es auch beim zwanzigsten Mal noch so klappt ist das ein Zeichen für hohen Anspruch beim Personal. Fehlen plötzlich die Kekse, der Tee ist übergeschwappt, die Serviette saugt gerade den Tee auf, den ich eigentlich trinken wollte und der Löffel besitzt eine ansehnliche Kruste, dann steht der Lokalwechsel unmittelbar bevor.

Ende Teil 1

Kommentare

4 Kommentare für “In and Out”

  1. strudel am 13. Februar 2006 um 23:31 Uhr

    Das habe ich mich auch schon manchmal gefragt, warum manche Kneipen so lange durchhalten und und manche nur so kurz.

    Zum Beispiel das Podium… alles rennt ins Podium, wir auch. OBWOHL die Bedienungen meistens nicht eben die freundlichsten sind und auch nicht immer gleich alles begreifen. Aber eine weibliche Bedienung ist eben doch netter anzuschauen, als ein älterer, dickbäuchiger Wirt.

    Ich denke mal, die Größe spielt auch eine Rolle. Viele junge Leute gehen doch aus um zu Sehen und gesehen zu werden. Da ist eben die Chance größer jemanden Bekanntes im Podium zu treffen, als im Irisch Pub.

    Die Anzahl der vorhandenen Parkplätze ist auch immer wichtig. Wenn ich erst durch ein Wohngebiet kutschieren muss, um einen freien Platz zu finden, dann schlage ich doch immer lieber das Stadtzentrum vor, da findent man abends immer was.

    Aber sonst ist es wohl auch eine Frage des persönlichen Geschmacks. Ich würde z.B. gern öfter ins BlueNotes gehen, aber der Vorschlag wird meistens abgeleht - ohne sinnvolle Begründung.

  2. Michael am 14. Februar 2006 um 06:30 Uhr

    HAH! Noch ein Geraer Blog. Toll. Wird sofort bekannt gegeben.

    Ja, das Blue Note ist ein schönes Beispiel. War mal eine totale In-Kneipe. Jetzt gehen die Teenager am Samstag Abend ins Literatur-Cafe. Wenn der Wirt das vor 2 Jahren gewusst hätte. :o)

  3. Romeo am 16. Februar 2006 um 20:44 Uhr

    Teil 1 und wie weiter?
    Kommt da noch der Teil 2 oder habe ich was übersehen.

  4. Michael am 16. Februar 2006 um 22:43 Uhr

    Jahaaa Romeo, kommt noch. Ich muss ja auch ein bisschen recherchieren, nich wahr.

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