In and Out, Teil 2
18. Februar 2006
Teil 2
Der Bedienung merkt man sofort an, wenn sie keine Lust hat. In Einzelfällen entschuldige ich das, weil ich aus eigener Erfahrung weiß, wie sich das Verhalten der Gäste auf die Psyche der Belegschaft ausübt. Wenn es oft passiert, sitzt das Problem tiefer. Schlecht bezahlt, überarbeitet, der Chef legt die Stellenbeschreibung etwas freizügiger aus als erwartet, oder einfach die Nase voll vom immergleichen Trott. Dann ist es eh Zeit für was Neues.
Genau das bestätigte mir der Wirt des Literaturcafes Pegasus in der Späthe-Passage. „Angestellte müssen wirklich Angestellte sein. Sie müssen zum Haus gehören und vom Haus bezahlt werden.“
Gemeint ist die Praxis vieler Kneipen, Cafes und Bars, ihre Belegschaft kostengünstig aus Lehrlingen zu rekrutieren, oder anderen staatlich bezahlten Menschen. Diese sind von vorn herein demotiviert oder zumindest schwer motivierbar. Sie werden ausgebeutet.
Festangestellten fließt der Lohn ihrer Arbeit direkt zu und sie verhalten sich eher wie Unternehmer. Was gut fürs Geschäft ist, ist gut für sie.
Überhaupt ist der Erfolg einer Kneipe absolut vom ehrlichen und ideellen Unternehmergeist des Wirtes abhängig. Halbherzigkeiten funktionieren nicht. „Wenn ich an meine Tür schreibe, dass ich um 18.00 Uhr aufmache, dann muss ich auch da sein, jeden Tag. Egal ob Gäste da sind oder nicht.“ Manche Wirte sehen das etwas gelassener und passen ihre Öffnungszeiten dem momentanen Zulauf an. Einmal mag das gehen. Auf Dauer schadet es.
Auch ein gewisser Stadtpatriotismus wurde mir als Erfolgsfaktor genannt. Das persönliche Interesse am Wohlergehen der eigenen Stadt also, über das persönliche Wohl hinaus. Wer das ehrlich verinnerlicht hat, der strahlt es aus und wirkt als Gastgeber authentisch.
Das Ambiente hatte ich ja im ersten Teil schon erwähnt, obwohl es so schwer zu greifen ist. Was man aber sagen kann, ist dass eine persönliche, heimelige Atmosphäre auf lange Sicht gut funktioniert. Kahle Kneipen funktionieren auch, aber aus anderen Gründen.
Ein Cafegast mit dem ich sprach brachte es auf den Punkt: „Es gibt Kneipen, in die geht man um zu sehen und gesehen zu werden. Dort ist Modenschau. Was gibt es neues in dem Klamottenladen, was in jenem? Wenn ich einen schönen Abend haben will geh ich dahin wo der Wirt mich kennt, wo ich mich nicht verstellen muss, wo ich mich entspannen kann.“





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