Gott mag meine Kappe nicht

19. August 2008

Wurde soeben von zwei verschiedenen Religionspolizisten in zwei verschiedenen Kirchen darum gebeten meine “Kappe” abzusetzen. Gemeint war mein Basecap.

Die erste Bitte kam in Form einer rhetorischen Frage: “Dürfte ich Sie bitten..?”, welche ich umgehend abschlägig bescheinigte. Damit hatte der Fragesteller offenbar nicht gerechnet. Sein Gesichtsausdruck zumindest ließ diesen Schluss zu.

Als nächstes kam der Verweis auf die “Hausordnung” und darüberhinaus die üblichen Gepflogenheiten in Gotteshäusern (auch bei anderen Religionen).

Wäre eigentlich ein schönes Thema für einen Podcast, dachte ich, aber der Fragesteller war in Begriff eine Führung zu beginnen. Vielleicht wollte er für seine Gäste eine gewisse Grundordnung herstellen. Vielleicht wollte er sich auch nur hervor tun. Wer weiß.

Jedenfalls bin ich mittelschwer erstaunt über die mangelnde Toleranz der katholischen Kirche im Jahre 2008. Sie glauben doch tatsächlich, dass es Gott erzürnt wenn ich meine dämliche Mütze aufbehalte, während ich durch ein viel zu großes Haus stiefele, um dessen Bau er nie gebeten hat.

Die Kirchen müssen, glaube ich, noch ein bisschen leerer werden, damit sich diese Menschen besinnen.

Kommentare

15 Kommentare für “Gott mag meine Kappe nicht”

  1. ReneS am 19. August 2008 um 16:19 Uhr

    Wobei ich hier mal sagen muss, dass ich da eher den Respekt vor den Traditionen vor Religionen, ob man sie mag sei mal egal, zuerst sehe. Hausrecht nennt man sowas.

    Kannst auch auch gern mal in ne Moschee mit Schuhen reinlatschen… oder waren es indische Tempel… egal…

  2. Dr. Azrael Tod am 19. August 2008 um 16:36 Uhr

    Es geht bei derartigen Sachen ja nicht unbedingt nur um Respekt der Religion gegenüber, evtl. sollte man auch mal an die Leistung der Architekten und Arbeiter denken, die diese Kirche gebaut haben.
    Ich bin sicher nicht gerade für Relligionen, noch weniger für die Katholische Kiche im Speziellen, doch die Personen denen es damit ernst ist kann man durchaus respektieren.
    Eine Mütze abnehmen wird dir ja nicht weh tun. (Es ist Sommer und du hast dich ja auch noch innerhalb eines Gebäudes befunden.)

    BTW: Die Tradition in unseren Breiten die Mütze/den Hut innerhalb eines Gebäudes ab zu setzen hat nicht mehr direkt etwas mit der katholischen Religion zu tun. Diese Regel ist eher in die allgemeinen Verhaltensregeln übergegangen, stellt also etwas vergleichbares wie “Frauen die Tür aufhalten” oder “nicht mit offenem Mund kauen”.

  3. Watson am 19. August 2008 um 18:37 Uhr

    Ich brauch ja nicht mehr meckern, die Vorredner haben ja schon alles gesagt. In unserer Kirche gibt es sogar so Häckchen, wo die Opas die Hüte hinhängen …

    @René: in beiden Gebäuden zieht man die Schuhe aus.

  4. Eric am 19. August 2008 um 18:46 Uhr

    @Michael: Ich glaube auf Dich hat die amerikanische Kultur abgefärbt. Die meisten Touristen aus den USA glauben auch, man können in alle heiligen Stätten mit Basecap und Schuhen reinlatschen, wie es einem paßt. Kein Wunder, daß sie zum Feindbild von vielen Gläubigen geworden sind. Hast Du nicht gleich noch Deinen Durst gestillt und mit einem McDonalds Becher aus dem Weihwasser geschöpft, oder vielleicht eine Seite aus der Bibel gerissen, um Dir etwas zu notieren? *kopfschüttelndes Unverständnis*

  5. Michael von Thueringen am 19. August 2008 um 22:05 Uhr

    So! Dann wollen wir mal… :-)

    Dieser Blogeintrag war/ist natürlich mehr als ein bloßer Bericht. Ich habe ihn auch in der Absicht geschrieben, Meinungen zu gewichten. Dass ich Feuer kriegen würde war mir also klar. Ich wusste nur nicht wieviel. Für einen Scheiterhaufen scheint es nicht ganz zu reichen. Noch nicht. :-)

    Allem voraus geschickt: Ich gehe sehr gern in Kirchen. Normalerweise setze ich mich irgendwo auf eine Bank, bin still und genieße die Atmosphäre. So auch heute. Bis der besagte Mensch kam und meine Ruhe störte.

    Nun zur Frage des Respekts. Vor Religion als solcher Respekt zu haben scheint einerseits plausibel, wenn nicht sogar logisch.

    Bei näherer Betrachtung entpuppt sich allerdings jede Religion als wenig respektabel, besonders wenn man die Historie betrachtet. Vieles von dem was im Name des Glaubens bisher geschehen ist und immernoch geschieht eignet sich nicht zur Verehrung.

    Respekt aufgrund von Traditionen? Hier möchte ich gefühlsmäßig zustimmen. Besonders bei tendenziell banalen Dingen wie Kopfbedeckungen, Schuhen usw. Okay.

    Objektiv betrachtet sind auch Traditionen (besonders religiöse) grenzwertig. Die Inquisition folterte und verbrannte traditionell Ketzer. In Nigeria werden traditionell Mädchen mit Glasscherben beschnitten. In der jüdischen Religion sind es die Jungs. In beiden Fällen ungefragt. Wo zieht man die Grenze?

    Muss ich jede Tradition respektieren, weil sie eine Tradition ist? Steigt der Grad des Respekts mit dem Alter der Tradition? Wie wichtig kann eine Kopfbedeckung für den Glauben und den Respekt eines Menschen sein? Ist ein Mensch respektvoll, wenn er in der Kirche die Mütze absetzt und außerhalb der Kirche anderen Menschen bewusst Schaden zufügt, womöglich noch im Namen seines Glaubens?

    Was also sagt eine Kopfbedeckung über Respekt aus? Mein persönliches Fazit: Nichts.

    Bei allem Respekt. :-)

  6. Watson am 20. August 2008 um 08:30 Uhr

    Fein zurückgebellt, man könnte eine Grundsatzdiskussion draus machen, vielleicht war Respekt das falsche Wort, es geht mehr um Anstand würde ich sagen, spätestens dann, wenn man dazu aufgefordert wird …

  7. Just Neumann am 20. August 2008 um 10:53 Uhr

    Ein Thema, das ein - na, sagen wir mal - “geistiges Universum” umfasst …
    Es könnte vom Inhalt her viele dicke Bücher füllen und trotzdem glaube ich, dass das Grundsätzliche in den Beiträgen gesagt wurde. Und das macht die Dikussion so einzigartig.
    Ich empfinde es jedenfalls so - und habe nichts hinzuzufügen

  8. Dr. Azrael Tod am 20. August 2008 um 12:10 Uhr

    Wie ich bereits schrieb.. man muss derartige Dinge nicht unbedingt im Zusammenhang mit Religion sehen, bei einem anderen förmlichen Zusammenhang (Opernbesuch, Vorstellungsgespräch, Restaurantbesuch) würdes du doch hoffentlich auch deine Kappe abnehmen oder?
    Und nur weil du eine abwertende Meinung gegenüber der Kirche als solche hast (ich bin bestimmt der letzte der organisierte Religion toll findet) solltest du deinen Gegenüber doch wenigstens, als jemanden dir völlig unbekanntes, soweit respektieren dass du ihm zu liebe diesen einen Handgriff ausführst und den Hut in der Kirche absetzt.. spätestens nachdem du freundlich darum gebeten wurdest.

  9. micha am 20. August 2008 um 16:52 Uhr

    Wenn ich jetzt Korinthen kacken würde, würde ich fragen, warum der Kirchenmann Michaels abschlägige Antwort nicht auch respektiert hat?

  10. Michael von Thueringen am 20. August 2008 um 16:56 Uhr

    Das ist die große Herausforderung beim Respekt: Ihn nicht nur zu fordern, sondern auch zu zollen.

  11. Just Neumann am 20. August 2008 um 17:13 Uhr

    Also - es stimmt!
    Das ist ein ausgiebiges Thema und die Diskussion könnte lange wietergeführt werden.

    Ich stimme dem Beitrag von Dr. Azrael Tod hundertprozentig zu.
    Ja - es ist eine Frage des menschlichen Umganges miteinander - oder anders gesagt - der gegenseitigen Achtung menschlicher Gefühlsregungen.
    Ich würde zu einer Trauerfeier auch angemessen angezogen gehen, obwohl das dem Tod ziemlich egal, wäre, ob ich mit oder ohne Kopfbedeckung am Sarg stehe.

  12. Michael von Thueringen am 20. August 2008 um 17:34 Uhr

    Schönes Beispiel, Just. Daran merkt man wie groß die Frage der gegenseitigen Toleranz ist.

    Ich zum Beispiel tendiere nicht zum Betrauern des Todes, sondern zum Feiern des Lebens. Im Falle einer Beerdigung wäre das also eine gedenkende Rückschau, in der auch Humor seinen Platz hat.

    In anderen Kulturen ist das möglich. Hier wird es sicher noch als offensiv empfunden, vermute ich. Bin nicht so oft auf Beerdigungen.

    Man könnte ewig so weiter argumentieren. Am Ende gelangen wir aber immer wieder zur Gegenseitigkeit des Respekts.

  13. Eric am 20. August 2008 um 18:49 Uhr

    Ich war leider schon auf einigen Beerdigungen und mir ging es nie so, daß es mir dort zum Feiern zumute war. Und wenn jemand versucht hätte dort gute Laune zu verbreiten, wäre das auch sehr fehl am Platz gewesen…

  14. Godfather am 20. August 2008 um 20:11 Uhr

    Hier spricht Gott der Herr, der Allmächtige.
    Ich bin Amerikaner und ich liebe Basecaps, auch wenn sich so etwas in Europa nicht ziemt.

  15. Holger am 21. August 2008 um 09:33 Uhr

    Herrn von Thüringen scheint es ähnlich zu gehen wie Jesus Christus, als er im Tempel aufräumte und gegen die alten Traditionen verstieß. Im Gegensatz wollte H. v T. nur das Mützchen aufbehalten und nicht den ganzen Altar abbauen.
    Wieso verehren wir Jesus Christus, diesen Ketzer dann? Oder benutzt man nur die Religion um seine Gewohnheiten zu rechtfertigen?
    MFG

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