Es war einmal in Amerika, III
28. Januar 2007

Da stand ich, auf dem Klo des Buchladens und liess es ins Pissoir strullen, als ein Mann den Raum betrat, zielstrebig hinter den nicht ganz mannshohen Holzwaenden verschwand und den wahrscheinlich sinnlosesten Riegel der Welt vorschob. Die Hose fiel. Der Atem des Mannes wurde schwerer.
Zehn Sekunden spaeter erklang der polyphone Dingdong eines Handys, seines Handys. Ich dachte mir, na ja, er wird es bimmeln lassen, was auch sonst. Aber nein, er hebt ab. Er hebt nicht nur ab, sondern er joeselt los, als ob es das normalste der Welt waere. Hallo mein Lieber und wie geht’s dir denn. Das alles mit links, waehrend er sich mit der rechten Hand das Rectum putzt.
Mein Gott! Was ist die Welt verkommen.
Dann ist er fertig, zieht sich irgendwie an, fragt mich nicht wie, und kommt raus aus dem Pseudohaeuschen, laechelnd, schwatzend und dann stellt er sich neben mich ans Waschbecken. Immernoch alles einhaendig. Beidhaendig waschen und mit einem Miniaturhaendy telefonieren geht nicht. Das sehe ich ein.
Er dreht mit der rechten Hand den Wasserhahn auf, waescht sich die Kuppen der Finger seiner rechten Hand, keine Seife, nimmt sich ein Papierhandtuch, knuellt seine Finger dort hinein und wirft es weg.
Die Finger sind aber nicht ganz trocken geworden und so schmiert er sich die Restfeuchte ins Haar. Ahhhhh ja!, jetzt sitzt der Scheitel wieder. Prima!
Er verlaesst noch vor mir den Schauplatz dieser unglaublichen Darbietung irdischen Ekels und geht zurueck in den Buchladen. Ich stehe noch immer am Waschbecken, schaue in den Spiegel und weiss nicht was ich machen soll: Lachen? Weinen? Verzweifeln? All das?
Ich gehe schliesslich nach laengerem unschluessigen Verweilen auch zurueck zu den Buechern, hoffend auf Trost, Einsicht und die Faehigkeit zu vergeben. Wenigstens war es vorbei.
Ploetzlich, am Ende eines Regals an dem ich entlang schreite, stosse ich fast mit einem Mann zusammen. Aber nicht irgendeinem Mann, sondern DEM Mann.
Er ist extrem freundlich, bietet mir den Vortritt an, ich gestikuliere ihm er solle ruhig zuerst gehen, aber er besteht darauf mich vorbei zu lassen und da gehe ich eben.
Als ich loslaufe, an ihm vorueber, legt er, wie es extrem freundliche Menschen gerne tun, seine rechte Hand auf mein Schulterblatt. Dieselbe Hand mit der er noch vor wenigen Minuten den Grundsatz der Unterscheidung zwischen Mensch und Tier ad absurdum gefuehrt hatte. Dieselbe Hand die er nachher auch noch dazu benutzt hat sein scheinbar sauberes Aeusseres zu richten.
Manchmal moechte man nur noch schreien.
photo: Ian Ruotsala





Wo ist das denn passiert?
Und noch was lustiges an diesem tristen Tag, passend zum Thema:
In einer öffentlichen Toilette sind zwei Kabinen nebeneinander besetzt. “Hallo, wie geht’s”, erklingt eine Stimme aus der einen Kabine. Der andere ist nicht der Mensch, der gerne Unterhaltungen auf Toiletten beginnt, aber er will höflich sein und antwortet: “Danke, gut”. - “Was machst du gerade?”, tönt es zurück. Blöde Frage, denkt der andere, dann “nun, ich sitze hier”. - “Darf ich mal zu dir rüberkommen?” Das wird dem anderen nun zu bunt. Er möchte dem schwulen Kerl von nebenan nicht begegnen und beendet sein ‘Geschäft’ schneller als im lieb ist, antwortet aber noch: “Tut mir leid, aber ich bin in Eile”. Da hört er die Stimme von nebenan: “Du, ich ruf dich gleich noch mal an, da ist so ein Blödmann in der Nachbarkabine, der all meine Fragen beantwortet!”
Bei Barnes&Noble in Louisville.
verstörend.