Es war einmal in Amerika…
24. April 2006

Preisknüller
Preise die auf “99″ enden kennen wir ja schon lange als Kaufanreiz im Einzelhandel. “99″ sieht eben besser aus als “100″. Klar. Wir fallen auch alle regelmäßig darauf herein.
Der Clou amerikanischer Preispolitik ist die so genannte Mail-in Rebate. Wäre sie von ihren Machern nicht so genial auf dass Verhalten der Menschen dieses Landes abgestimmt, ich würde sie abgrundtief hassen. Aber sie ist brillant, wie gesagt.
Was hat es nun auf sich mit der Mail-in Rebate?
Zuerst die Übersetzung: Posteinsende-Rabatt. Jetzt die Erklärung: Eine bestimmte Ware, sagen wir ein Computer, ist im Laden mit $599 ausgepreist. (Das mit der 99 ist so im Blut, darauf kann nicht verzichtet werden.) 599 also. Man meint ein Schnäppchen entdeckt zu haben, weil der Computer sehr gut ausgestattet ist und greift zu.
Doch halt! Was steht da ganz klein auf dem Preisschild? Mail-in Rebate: $200? Der Verkäufer beruhigt uns. Ja, hier im Laden müssten wir zwar $799 bezahlen. Das Geld (die $200) bekommen wir aber wieder, wenn wir ein Formular ausfüllen mit allen möglichen Angaben über uns selbst und sowohl Kassenzettel als auch Strichcode von der Packung an den Hersteller schicken, per Post. Daher der Name.
Was der freundliche Verkäufer nicht freiwillig erwähnt ist, dass das besagte Formular äußerst umfangreich ist und die Rückerstattung des Geldes in Form eines Schecks mindestens vier, in vielen Fällen aber sechs, acht oder zehn Wochen in Anspruch nehmen kann. Dies findet man erst dann heraus, wenn der Computer zu Hause aufgebaut ist und man sich nunmehr den drögen Dingen zuwenden muss, nämlich der Einforderung des Rabatts.
Man liest sich die Bedingungen für die Rückerstattung durch und begreift ernüchternd, welche Arbeit man sich da aufgeladen hat. Und genau an diesem Punkt scheidet sich die Schar derer, welche unter allen Umständen ihr Geld zurück wollen von denen, die keine Lust haben auf solche Weise ihre Freizeit zu verkürzen. Die letzteren sind zahlreich und so kommt es, dass Rabatte in Millionenhöhe von den Kunden nie in Anspruch genommen werden, ganz im Sinne der Hersteller, deren goldene Nase zwischenzeitlich de Gaullesche Ausmaße angenommen haben dürfte. Aus ihrer Sicht ist alles rechtens. Sie haben den Ball ins Spielfeld der Kunden gekickt und wenn er von dort nicht zurückkommt, dann ist das eben so.
Es bleibt zu hoffen, dass dieses Rabattsystem in Amerika nur eine kurze Lebensdauer hat, denn es ist natürlich lästig. Was seine Einführung in Deutschland betrifft, so mache ich mir kaum Sorgen. Die Deutschen sind für eine solche Verlade einfach zu gewissenhaft und durch eine ungezügelte Bürokratie aufs Beste konditioniert. Auf das eine Formular kommt es da auch nicht mehr an.





Sowas in der Art gibt es auch bei uns, nämlich wenn man sich eine digitale Spiegelreflexkamera mit Objektiv kauft. Dann bieten die Hersteller meist ein sog. Cash-Back an, wo man sich als Kunde 200 € wiederholen kann. Wie das im einzelnen funktioniert, weiß ich aber nicht.
Die CASHBACK Aktion z.B. von CANON funktioniert so:
Du kaufst eine Kamera und erhältst, wenn Du die Cashbackkarte und eine Kopie des Kaufbelegs einschickst, einen Geldbetrag zurück. Momentan 300 € beim Kauf einer EOS 5D. Damit wollen die eigentlich nur Grauimporten vorbeugen. Außerdem hat es einen psychogischen und marketingtechnischen Effekt:
1. Behält die Kamera ihren hohen Wert (Preisschild im Laden)
2. Der Kunde hat das Gefühl ein Schnäppchen zu machen (Jetzt gibts es 300 € zurück! Wow!)
Ist also, wenn ich das richtig verstanden habe, genau das gleiche, was Michael hier beschreibt?
Hast du Erfahrungen, wie lange es dauert, bis du den entsprechenden Betrag erstattest bekommst?
Nicht das gleiche.
Bei CANON ist es nur eine einfache Postkarte, die Du zusammen mit der Kopie Deines Kaufbelegs schickst. Danach gehts ganz schnell. Kein kompliziertes Formular und keine endlosen Rückfragen wie bei Michaels Beispiel aus Amerika.
Was mir in den USA immer wieder angenehm auffällt: Dort ist der Kunde noch wirklich König. Das merkt man sowohl beim Kauf beratunsintensiver Waren, als auch in jedem Supermarkt.
Daran kann sich Deutschland ein Beispiel nehmen.