Eindrücke von einer Quelle des Wiedersehens

11. Februar 2007

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Ich beobachte gern Menschen. Besonderns and Plätzen und in Situationen die bestimmte Verhaltensweisen erwarten lassen.

Die Ankunftshalle eines Flughafens ist ein solcher Ort. Menschen verschiedensten Alters treffen aufeinander. Manche kennen sich noch nicht und da ist es unverfänglich. Man begrüßt sich höflich und unverbindlich.

Anders ist es bei Familien oder sonstwie verbandelten Personen. Umarmen oder nicht? Küssen, ja oder nein? Und wenn ja: Wohin? Und wie oft? Italienisch zweimal mit Schmetterlingsklaps auf den Rücken, französisch dreimal, oder deutsch einmal auf die Wange?

Teenager sind erstaunlich geübt. Die schauen öfter fern und alles ab. Da sieht es richtig gut aus. Wie im Fernsehen eben.

Bei Älteren und Kindern gibt es ein deutliches Herzlichkeitsgefälle. Omas wollen immer besonders viel Zärtlichkeit. Sie knuddeln und knutschen, dass es nur so schlabbert. Den Enkeln bleibt nicht selten die Luft weg. Opas sind genügsamer und mittelalte Menschen auch.

Manche Männer sind sehr distanziert, besonders Schwieger-Männer. Kurzer Händedruck muss genügen, eine Umarmung würde beide Parteien überstrapazieren. Man wollte sich eigentlich nie kennen lernen. Es ließ sich nur nicht umgehen, der Tochter wegen.

Schwieger-Frauen umarmen fast immer. Dabei ist es unerheblich ob sie sich mögen oder nicht. Man tut es trotzdem, um des lieben Friedens willen. Die Geste sollte dementsprechend nicht überbewertet werden.

Dann sind da noch die Paare. Lange nicht gesehen. Leicht fremd geworden. Ein schmachtender Kuss gleich zu Beginn wäre sicher unpassend, eine einfache Umarmung hingegen auch. Irgendetwas zwischendrin, oder langsam heran tastend. Umarmung, kurzer Kuss, dann noch einer und noch einer. Was ist da Spiel und was echte Zuneigung? Oft ist es nicht klar.

Manchmal ist aber ganz klar. Es fließen Tränen, die sind echt und dann reicht auch meistens eine lange und innige Umarmung. Küssen kommt später. Nicht so wichtig. Hauptsache man hat sich wieder. Schön!

Besonders beachtlich fand ich folgende Szene: Ein junges Paar mit zwei kleinen Kindern begrüßte die aus Mallorca eingeflogenen Eltern mit kleinen Deutschlandfähnchen und dem Ruf: „Weltmeister! Weltmeister!“

Kommentare

2 Kommentare für “Eindrücke von einer Quelle des Wiedersehens”

  1. Lorenz am 13. Februar 2007 um 00:56 Uhr

    Kennst du den Film “Tatsächlich Liebe”? Da bildet die Ankunftshalle eines Flughafens den Rahmen. Richtig schön.

  2. michael am 13. Februar 2007 um 03:05 Uhr

    Nee, hab ich noch nicht geschaut. Dafür aber “Terminal” mit Tom Hanks. Auch nicht schlecht.

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