Dönerchinese

24. Mai 2007

Ein ziemlich neues Phänomen, jedenfalls in dieser Stadt, ist der lokale und ökonomische Zusammenschluss von Dönerbuden und Asia-Imbissen.

Mindestens drei sind mir bekannt und sie alle arbeiten nach demselben Prinzip. Ein Türke und ein Vietnamese teilen sich die Küche. Auf der einen Seite die bekannte Dönermühle, auf der anderen der Gasherd mit Wok.

Interessanterweise können die Betreiber durchaus allein arbeiten und beide Geschmacksrichtungen bedienen. Sicher, es ist gewöhnungsbedürftig bei der Dönerbestellung mit dem mangelhaften Wortschatz eines Ost-Asiaten konfrontiert zu werden, wo man bereits eine freundliche Toleranz für osmanisches Umlaut-Geknatter entwickelt hatte. Beides jedoch ist gleichermaßen unverständlich und somit auch egal.

Trotzdem würde es mich freuen, und eigentlich sollte man es verlangen, wenn Menschen die im deutschen Dienstleistungsgewerbe arbeiten, die hiesige Amtssprache verstehen und sprechen. Auch wegen der Eingliederung in die Gemeinschaft von mir aus, aber hauptsächlich wegen der Korrektheit der Bestellung. Ich weiß nicht mal, wie mein Lieblingsvietnamese heißt und wo genau er herkommt. Es interessiert mich sehr, aber er versteht nur Zahlen, “Chili” und “Apfelschorle”. Und selbst das nicht immer.

Ebenfalls würde ich gern erfahren, was es mit der gastronomischen Globalisierung auf sich hat und wer drauf gekommen ist. Und wie die Verhandlung geklungen hat, bei der die beiden Volksgruppen sich auf dieses Businessmodell geeinigt haben.

Die Vorstellung lässt mich lächeln. Ein lautstark extrovertierter Türke, der auf einen passiven Vietnamesen einredet. Behaarte Arme fliegen durch die Luft, eine Stirn runzelt sich. Der Protokollführer hat aufgegeben und sucht in der Eistruhe nach Magnum Yoghurt Fresh.

Ein Bier würde Wunder wirken. Aber das trinken beide nicht.

Kommentare

3 Kommentare für “Dönerchinese”

  1. Eric am 24. Mai 2007 um 19:08 Uhr

    Ich würde mich als Testperson für die Geraer Imbißszene anbieten. Empfehlen kann ich:

    1. den Dönerchinesen Laasener Str neben Videothek: leckere chinesische Gerichte

    2. den Dönerchinesen im Kino: wenn man mich mittwochs vor der Ü dort von weitem sieht, bereitet mir die nette Bedienung schon meinen Lieblingsdöner

    3. den Dönertürken in der Enzianstraße (nähe Volkshochschule): nette Bedienung und alles frisch und lecker gemacht. In der Wartezeit gibts sogar manchmal einen kostenlosen Tee - türkische Gastfreundschaft.

    4. den Dönertürken in der Wiesestraße in der nähe der ehemaligen Berufsschule: frisches selbstgebackenes Dönerbrot und leckeres Fleisch

  2. ReneS am 24. Mai 2007 um 19:19 Uhr

    Inder bieten häufig Italienisches an…
    Italiener sind häufig nicht aus Italien…

  3. wiemi am 24. Mai 2007 um 19:21 Uhr

    Dönerbude und Asia- Imbiss in einem Objekt -Was für ein cooles Businesssmodell - verdient doch glatt einen Preis ;-) (Auch wegen der Völkerverständigung)

    Bisher kannte ich aus eigener Erfahrung nur den Pizza-Lieferservice, der - von Indern/Pakistani betrieben - neben Döner auch einige kleine sog. “Indische Gerichte” anbietet..

    Eigentlich könnte man in diesem Sinne ja auch in einem Gebäude McDonalds und Burger King gemeinsam “aufziehen. Auf der einen Seite reicht man Bigmäcs über den Tresen, auf der anderen Whopper, die Fritteusen/Lagerräume/etc. dazwischen teilt man sich…

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