Der Bürgerfunk will ins Internet. Klappe, die Erste.
13. September 2007

Gestern fand der in Episode 99 angekündigte Zukunftsworkshop der Thüringer Landesmedienanstalt statt. Es ging im Wesentlichen um die Chancen (und Gefahren) der neuen Internetmedien für den etablierten Bürgerfunk (offene Kanäle und freie Radios) und damit stellvertretend für den gesamten “alten” Mediensektor.
Grundsätzlich war es ein interessanter Tag. Allerdings hatte ich im Vorfeld bereits Bedenken geäußert im Bezug auf den Inhalt der Veranstaltung und die unnötige Verwissenschaftlichung von Zusammenhängen, die sich in wenigen Sätzen erklären lassen.
Genau dies ist auch eingetreten. Bei den ersten beiden Vorträgen habe ich die Leute im, übrigens sehr zahlreich vertretenen, Publikum genau beobachtet. Die leeren Gesichter sprachen Bände. Manche versuchten sich anfangs noch Notizen zu machen, gaben aber recht bald auf. Den gleichen Effekt hätte man mit Vorträgen in holländischer Sprache erzielen können. Wenn man Menschen mit einer für sie neuen Materie konfrontiert, sollte man sich einer einfachen Ausdrucksweise bedienen.
Der erste Vortrag welcher ein Erwachen einleitete war der einer Medienpädagogin aus München. Von ihr wird im nächsten Podcast noch die Rede sein.
Am Nachmittag gab es dann Foren, in welchen unter anderem Macher von Podcasts und Video-Podcasts über ihre Erfahrungen berichteten. Auch dort wurde noch sehr viel mit Jargon hantiert, aber die Leute im Publikum waren deutlich interessierter als zuvor und stellten Fragen.
Nun waren die vortragenden Podcastmacher allerdings selbst noch recht neu im Geschäft. Sieben oder acht Podcast-Episoden zeugen nicht eben von besonderer Expertise. Dieser Umstand wurde durch eine gewisse Oberflächlichkeit im Faktenwissen der Experten deutlich. Einer verhedderte sich in seinem eigenen CMS, eine Dame wischte die gesamte Podsafe Musikszene mit einer Bewegung vom Tisch und bedient sich stattdessen eines in Unzulänglichkeit kaum zu übertreffenden GEMA Podcast Lizenzmodells.
Trotzdem: Es war ein erster, wichtiger, wenn auch stolpernder Schritt der etablierten Medien in Richtung Zukunft. Ich hoffe dass ein zweiter folgen wird.





Das auf dem Podium hyperwissenschaftlich “gepost” wurde ist richtig. Das dies unnötig gewesen währe nicht.
Bürgerfunk kann sich nicht einfach planlos auf die neuen Medien stürzen. Das würde mit zu Sicherheit neigender Wahrscheinlichkeit schief gehen.
Leider blieben die Diskussionen, die vor allem zum Verständnis hätten beitragen können, aus. Das lag meiner Meinung nach aber nicht an der Unfähigekeit der Referenten, sondern an den vielen “ultraschlauen” Gesichtern im Publikum.
Ich habe selber versucht eine Verständnisfrage zu stellen … so komisch ging es mir beim “Dumme- Fragen- Stellen” noch nie! Dabei bin ich als Student in der Beziehung recht schmerzfrei.
v.G. foulder
“Das auf dem Podium hyperwissenschaftlich “gepost” wurde ist richtig. Das dies unnötig gewesen währe nicht.”
Was hat das eine mit dem anderen zu tun? Wenn die Leute im Publikum das Hyperwissenschaftliche nicht verstehen, ist es doch per Definition sinnlos. Der Vortragende hält den Vortrag doch nicht für sich.
Meiner Einschätzung nach lag der Grund für den Mangel an Fragen beim Unverständnis des Publikums. Sie haben vorher schon nicht verstanden worum es ging. Und dies nicht weil sie dumm wären, sondern weil die Vorträge zu hochtrabend waren.
Womit ich wieder am Ausgangspunkt angelangt wäre. Man kann Menschen nicht mit einer völlig neuen Materie konfrontieren und diese dann auch noch chiffrieren. Das kann nur schief gehen.
Mit einer einfachen, klaren Sprache hätte man viel Licht ins Dunkel bringen können und damit Leute ins Boot, aber sobald Menschen im Rampenlicht stehen verwandeln sie sich in Professoren, weil sie Angst haben, man würde sie sonst nicht ernst nehmen. Ich empfinde es genau umgekehrt.