Der Basar ist eröffnet

28. Mai 2007

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foto: mojo!

Ich sitze im Wartezimmer und blättere in Bunte.
Als ich gerade die neuesten Galafotos mit Thomas Gottschalk und Katharina Witt beschaue und mich frage, ob ich auch mal in einer solchen Gesellschaft verkehren möchte, ertönt plötzlich mein Name aus einem Lautsprecher über der Tür.

Eigentlich müsste ich nicht aufgeregt sein. Ich will mir ja nur die Zähne reinigen lassen. Das tut selten weh und es wird auch gar nicht gebohrt. Der Theorie nach zumindest.

Allein der Geruch des Behandlungszimmers löst Flashbacks der unangenehmsten Sorte aus. Als Kind habe ich während des Bohrens einmal aus Protest und Neugier den Mund geschlossen. Die Ärztin hat sich sehr erschreckt. Ich habe sie nie wieder gesehen.

Die Dame die mich heute säubern soll ist dick und ihr sicher fast 50 Jahre alter Busen unterbindet die Blutzirkulation in meinen rechten Arm, während sie mit Ultraschall Zahnstein und Schwarzteerückstände vom letzten Winter zwischen meinen Zähnen entfernt. Das Gerät klingt als würde man Diamanten schleifen, aber es ist angenehmer als mechanisches Kratzen.

„Da sollten wir vielleicht noch ein bisschen Zahnlack draufmachen.“ sagt die Ärztin.
‚Mach doch.’ denke ich.
„Das kostet dann ein bisschen mehr. So 10 bis 15 Euro.“
‚Häh?’
Ich hatte vorher extra nach dem Preis gefragt und wir hatten uns auf 25 Euro geeinigt. Von Extrakosten war nicht die Rede.

Sagen kann ich nichts. Mein Mund ist bis zum Anschlag geöffnet und die Assistenzschwester schnorchelt lautstark Speichel aus mir heraus.

Die Ärztin macht ganz gelassen weiter und erklärt mir die Vorzüge von Zahnlack und außerdem gebe es da noch dieses Fluorgel. Das könne sie auch gleich verwenden. Das sei sehr gut. Nochmal so 10 Euro, aber ganz super das Zeug.

Das ist doch unglaublich! Die handelt mich echt während der Behandlung hoch.
Ich bin ungehalten, will die Behandlung aber nicht abbrechen, sondern ganz eigentlich hinter mich bringen. Wenn ich jetzt abwehre, tut sie mir vielleicht weh. Vielleicht brauche ich diesen Zahnlack ja sogar. Was weiß ich?

Es ist wie in der Autowerkstatt. Die reden einem auch alles ein was Geld kostet.

Ich lasse sie also machen und behalte meine Frustration für mich.

Nach der Behandlung fragt mich die Praxishilfe ob ich bar bezahlen will oder lieber auf Rechnung. Ich sage „Rechnung“ und plane die Zahlungsmodalitäten nach freiem Ermessen zu gestalten. Runterhandeln gewissermaßen. Sonst besteht die Gefahr, dass ich diese Ärztin nie wieder aufsuche. Wenigstens dieser Trumpf bleibt mir.

Kommentare

3 Kommentare für “Der Basar ist eröffnet”

  1. Eric am 28. Mai 2007 um 17:05 Uhr

    Mein Zahnarzt bringt immer, mit einem süffisanten James-Bond Grinsen den Satz zu seiner Helferin: “Schwester Ina, können Sie mal bitte beim Eric saugen”. Wobei dann aber jedesmal leider nur diese elektrische Teil zum Spucke wegsaugen gemeint ist ;-)

  2. hinterlektuelles am 9. Juni 2007 um 12:54 Uhr

    Ich war gerade von den 25 Euro fasziniert, denn hier in Bonn zahle ich immer 50 Euro für die professionelle Zahnreinigung. Aber da ist dann auch kein Handeln möglich, sondern Lack und Fluor inklusive. Das All-inclusive-Paket gewissermaßen. Da hast du also einen guten Preis bekommen. ;)

  3. Radio-G » Zahnarzt to go am 24. November 2007 um 18:02 Uhr

    […] Meine letzte professionelle Zahnreinigung liegt gut 6 Monate zurück und bisher hatte ich geglaubt, dass ich bald wieder gehen müsste. Jetzt bin ich nicht mehr sicher. […]

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