Demonstrativ

3. Januar 2006

Montagabend 18.00 Uhr.
Ich laufe den Steinweg runter, Richtung Kirchstrasse. Vom Hauptmarkt her schallen die Trillerpfeifen der Montagsdemo die Häuserwände entlang. Rechts über mir steht ein Mann am Fenster. Während ein Demonstrant unten auf dem Markt das Megaphon quält, ruft der Mann am Fenster „Nazischwein“, kurze Zeit später dann „Kommunistenschwein“. Er kann sich offenbar nicht entscheiden.

Es ist derselbe Mann aus dessen Wohnung den lieben langen Tag fragwürdige Popmusik in Demolautstärke hervorquillt. Oft und gerne mal die Gruppe Pur: „Wir fahrn ins Abenteuerland, der Eintritt kostet den Verstand.“ Der Mann am Fenster ist Abenteurer. So viel ist klar.

Eigentlich liegt es nicht auf meinem Weg, aber der Neugierde halber laufe ich über den Markt und höre mir dabei die Kampfreden der Demo an. Gerade spricht ein Mann über den Arbeitslosengeldbescheid seiner Frau. Drei Euro lag die Überweisung vom Arbeitsamt unter der zuerkannten Summe. Einspruch! Natürlich. Dann wieder Trillerpfeifen. Karneval.

Die Demo ist klein. Etwa 50 Menschen zähle ich. Dazu zwei Polizisten. Die lachen nur. Verbeamtet.
Immer wieder laufen Passanten achtlos an den Demonstrierenden vorbei. Sie wollen es wohl nicht mehr hören, das ewige Beschweren. Kann ich auch irgendwie verstehen. Es ist halt eine Sache der Herangehensweise. Vielleicht sollte man mal für Lösungen demonstrieren, statt gegen Missstände.

Kleiner Tipp aus der Marketingbranche: Positive Formulierungen ziehen besser. Mitnehmen statt wegstoßen. Und, der Ton macht die Musik.

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