Danke Heinrich
17. Februar 2006
17. Februar 1857
Die Zeitung “La Presse”, Paris :
Henri Heine, l’illustre poète allemand, a succombé, le 17 de ce mois, à la longue et doloreuse maladie dont il était atteint depuis près de huit ans. Les obsèques auront lieu demain mercredi, à 10 heures. On se réunira à la maison mortuaire, avenue Matignon, n° 3. Les amis et les nombreuses connaissances de l’illustre défunt qui n’auraient pas reçu de lettre de faire part sont priés de regarder comme telle la présente insertion.
Heinrich Heine, der berühmte deutsche Dichter, ist am 17. dieses Monats der langen und schmerzhaften Krankheit erlegen, an der er seit fast acht Jahren litt.
Die Beisetzung wird morgen, Mittwoch, um 10 Uhr stattfinden. Man wird sich im Trauerhaus in der Avenue Matignon 3 treffen. Die Freunde und zahlreichen Bekannten des berühmten Verstorbenen, die keine Familienanzeige erhalten haben sollten, werden gebeten, die vorliegende Annonce als solche zu betrachten.
Heinrich Heine ist in aller Munde. Manchmal werden seine Werke vorgelesen. Oft werden sie vertont. Man könnte sagen, Heine ist ein Superstar. Und das seit mindestens 150 Jahren. Nimm das, Heino!
In diesem Jahr ist alles noch etwas intensiver. Es ist Heine Jahr. Und es darf ruhig gesagt werden: Mozart, der heuer auch gerade ein Jahr hat, ist weit abgeschlagen in den Charts der klassischen Mega-Künstler. Das könnte zum einen daran liegen, dass Mozart nicht so viel gesagt und geschrieben hat. Heine hingegen hat nicht nur geschrieben. Er hat eigentlich alles geschrieben, was es zu schreiben gibt und er tat es auf so zeitlose Art und Weise, dass viele seiner Texte noch heute so aktuell klingen wie damals.
Mit diesem Gedanken ging ich gestern Abend ins Courtyard Marriott Hotel in Untermhaus.
“Club der Toten Dichter“ hieß die Veranstaltung. Dirk Zöllner hatte sich mit anderen Musikern zusammen getan um einige Heine Gedichte zu vertonen. Ich hoffte auf Hochkultur.
Netto war da ein großer Seminarraum, eine Bühne und circa 100 Sitzplätze, fast alle besetzt von Menschen, die 16 Euro Eintrittspreis für nicht übertrieben hielten. Meine Frage an den Tonmann, ob ich selbst etwas mit meinem Mikrofon aufnehmen könne, wurde an einen Managereverdächtigen Herren weitergeleitet und von diesem freundlich aber bestimmt abgelehnt: „Nein, bitte nicht.“ Fotografieren dürfe ich aber.
Dann kam die Band und machte schöne Live Musik, die ich euch hier gern in Ausschnitten kredenzt hätte, aber: „Nein, bitte nicht.“ Ich weiß nicht welche Interessen ich mit einer Aufnahme verletzt hätte, aber ich will zugestehen, dass die Herren nicht wussten wer ich war (ha ha) und ich mich ja auch vorher hätte anmelden können. Ich werde das prüfen, denn in einem Monat treten sie mit dem gleichen Programm nochmals auf, diesmal in Leipzig.
Also gut war es auf jeden Fall. Der Musik wegen. Aber es muss auch andere Erwartungen gegeben haben, denn außer mir verließen noch mehr Gäste in der Halbzeitpause den Schauplatz. Vor mir lief ein junges Pärchen und in angemessenem Abstand zum Ausgang des Hotels machte sich die Dame Luft: „Na so ein Scheiß!“
So weit würde ich nicht gehen.







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