Bergsee und Straussenei
30. Juni 2008
Angesichts des Tourismus-Marketings einschlägiger Destinationen, muss ich mir immer mal wieder die Schönheit unseres eigenen kleinen Bundeslandes vor Augen halten. Besonders den Thüringer Wald.
Das letzte Wochenende habe ich dort verbracht, an einem Bergsee nahe der Ebertswiese. Der See ist eigentlich ein gefluteter Steinbruch, aber das mindert seine Schönheit in keiner Weise. Direkt am Ufer gibt es eine Feuerstelle die schon so manche pyromanische Meisterleistung erlebt hat.
Die besonders kranken unter den Flammenfetischisten errichten dort Scheiterhaufen solch majestätischen Ausmaßes, dass Augenbrauen und Wimpern auch auf der anderen Seite des Sees noch zum Einkringeln neigen. Anwesende Gäste flüchten meist hinter große Steine, hüllen sich in nasse Decken oder bewundern das Feuer mit Periskopen aus speziell dafür vorgesehenen U-Booten im See.
Bei kleineren Feuern lohnt sich das Verweilen. Denn wenn es dunkel wird, die verbliebene Glut angenehme Wärme spendet und dann die typischen, schnell vorbei ziehenden Bergwolken aufreißen, bekommt man einen atemberaubend klaren Sternenhimmel zu sehen, komplett mit Sternschnuppen, Satelliten und der Milchstraße. Man könnte meinen auf der Rückseite des Mondes zu sein, weit draußen im All, umgeben von tiefer Stille und Frieden.
Zumindest solange bis der Spätflug der Air Berlin aus Gran Canaria eintrudelt, mit eingeschalteten Landelichtern über den Himmel faucht und zur Landung in Erfurt ansetzt. Dann ist man plötzlich wieder zurück, auf der Erde.
Auf der Fahrt nach Hause entdeckte ich eine kleine Straussenfarm und entschied mich spontan zum Kauf eines leeren Strausseneis. Angeblich sollen diese Gebilde einen Geruch absondern, der Spinnen und anderen Insekten den Rückzug nahelegt. Das musste ich einfach ausprobieren, auch wenn der Erwerb eines Strausseneis mit 20 Euro zu Buche schlägt. In gefüllter Form sind es 30 Euro. Dann allerdings bekommt man das Omelett seines Lebens. Cholesterinfrei.









Wusste gar nicht, dass es bei uns Straussenfarmen gibt. Wirkts schon, das Ei?
Die Farmen gibt es schon. Man muss sie nur finden und das ist eben schwierig wenn sie nicht gerade an der Straße liegen.
Das Ei wird gerade einem Langzeittest unterworfen. Bisher hab ich noch keine Spinne gesehen.
Es könnte natürlich sein, dass sich die Spinnen jetzt alle im Ei verstecken.
Zwischen Jena und Eisenberg gibts seit vielleicht geschätzten ca. 4 Monaten auch eine (an der Straße gelegen), beim Mittagessen holen am chin. Imbiss in Jena letzte Woche, bin ich ungewollte Zuhörerin eines Gespräches geworden, in dem sich Leute darüber unterhielten, das dort die Straußeneier gefüllt 20 Eus kosten würden …
P.S. Wieso verfolgen mich gerade Straußeneier
?
Hast Du in Deiner Wohnung denn jetzt weniger Spinnen und vor allem Fliegen und Mücken als sonst? Das sollte doch relativ schnell zu entdecken sein. Mach abends einfach mal das Fenster auf und das Licht an. Kommen weniger, lohnt es sich
@Stefan
Die Fenster sind mit Insektennetzen verhangen. Das wäre ja sonst kontraproduktiv.
Die Netze rein zu kriegen war auch ein ziemlicher Akt:
http://www.radio-g.net/fliegenknast.html
Der Abend am Bergsee war wunderschön und hat alte Erinnerngen geweckt. Von 1975 bis 1995 haben wir in einer alten aber gemütlichen Hütte gleich vorm nächsten Wegweiser gern und fast jedes Jahr unseren Urlaub verbracht. Im 13 Meter tiefen See lernten die Kinder schwimmen und haben jeden Abend die Idylle des Lagerfeuers am See erlebt und selbst mit Hand angelegt, Holz gesammelt und pyromanische Gelüste ausagiert. Heute sind die Kinder im Stress der neuen Zeit anders beschäftigt. Die Eltern suchen sich neue Freizeiterlebnisse, aber wie man sieht kommen auch alte Bedürfnisse immer wieder zum Tragen.
Der Morgen nach dem Lagerfeuer beginn am besten im Wasser mit einer morgendlichen “Schwimm-meditation”. Das Wasser ist ca. 14 od. 15 Grad und weck jeden Mutigen oder Verschlafenen mit Sicherheit. Nach der Überwindung in das kalte Nass einzutauchen ist jede Runde im See ein wahrer Genuß.
Leider hatten an diesem Sonntag die anliegenden Gemeinden das jährliche Bergseefest ausgerufen und so war die himmlische Ruhe des Waldes dahin. Aber für alle Beteiligten des Festes war es natürlich ein schöner Tag mit vielen Höhepunkten, reichlich Getränken und Leckereien. Wohl dem der das mag und im Wald nicht gerade Ruhe sucht, die natürlich nach Ende des Festes für ein weiteres Jahr bis zum nächsten Bergseefest 2009 reichlich am Bergsee zu finden ist.