Am Strand

10. April 2008

Es ist dunkel und das Meer kaum noch zu sehen, doch die Brandung ist laut. Vom Wasser her weht ein warmer Wind. Ich laufe die Promenade runter und scanne die gegenüberliegende Häuserzeile nach Restaurants fürs Abendessen.

Irgendwie hat heute die Zeit gefehlt für profunde Ernährung. Ciabatta mit Ei und Hanuta am Bahnhof, eine Soljanka am Terminal. Im Flugzeug gab es nur Kaltes.

Ich dachte immer Lufthansa Stewardessen seien die schnoddrigsten. Aber die spanischen Ryan Air Trullas von heute haben es geschafft noch unpersönlicher zu sein. Klar, sie machen Fließbandarbeit. Der Flieger wird in weniger als 20 Minuten umgedreht. Sitztaschen gibt es nicht. Kotztüten muss man wahrscheinlich bezahlen. Was kann sowas kosten?

Diese Omnirelevanz an der Costa Brava ist fast beängstigend. Hier wird jede Ethnie bedient, jedes noch so abseitige Bedürfnis erfüllt. Ich lasse wechselweise den Deutschen oder den Ami raushängen. Ein paar wohl plazierte Wörter in spanisch, das R schön gerollt. Es is völlig egal. Die Reaktion ist immer dieselbe. Was willst du? Hamm wer! Komm rein.

Ich bleibe in einem Steakhaus hängen und bestelle einen Grilled Chicken Caesar Salad. Das Teil ist gigantisch und gut. Der Preis höchstens auf deutschem Niveau, eher darunter. Die Kellner sind extrem freundlich und schnell. Ist noch nichts los. Kurz nach acht. In der Nähe sitzen ein paar Engländer. Das richtige Geschäft geht erst nach 10 los.

Das W-LAN im Hotel funktioniert super. DSL-Geschwindigkeit und ohne Aufpreis.

Mein Zimmer ist gut und sehr sauber. Allerdings ist es das zweite. Das erste Zimmer war halb so groß und den nächtlichen Sturz von dem viel zu schmalen Bett auf den unnachgiebigen Marmorfußboden wollte ich mir ersparen.

Die Dame an der Rezeption ist etwa 60, aber auf ihre Art sehr sexy. Auf ihrem Busen vereinen sich Sommersprossen zu Altersflecken. Ihre Stimme ist entweder iberisch heiser oder deutet auf langjährigen Tabakkonsum hin. So genau lässt sich das nicht feststellen. Zuerst war sie ziemlich spröde gelaunt, aber mittlerweile verstehen wir uns gut. Vielleicht kann ich sie zu einem Interview für den Podcast überreden. Ihr Englisch ist sehr gut.

Kommentare

3 Kommentare für “Am Strand”

  1. micha am 10. April 2008 um 23:09 Uhr

    Interessant. Um acht wars hier schon dunkler. Aber sieht doch recht gut aus, der Blick aus dem Fenster.

  2. Yvonne und Doreen am 11. April 2008 um 12:04 Uhr

    Hallo Micha,

    haben gerade deinen Text gelesen, hast du´s gut…
    Freuen uns auf weitere Erlebnisse von dir…
    Bis Mittwoch im Offenen Kanal - bring die Sonne mit….
    Yvonne und Doreen

  3. Work Community : Radio-G am 10. Mai 2008 um 13:44 Uhr

    […] er mich erkannte, was nicht ganz einfach gewesen sein konnte, denn ich hatte mich verkleidet: Costa Brava Schirmmütze und […]

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