Californication
29. September 2008

Eine Fernsehserie der etwas anderen Art schickt sich an die deutschen Wohnzimmer zu erhellen und dabei jede Vorstellung der prüden und züchtigen Amerikaner ins Gegenteil zu verkehren. Zumindest dem Teil der Spezies, der den Süden Kaliforniens bevölkert. Bereits der Titel der Serie beinhaltet das Wort „Fornication“ (Unzucht) und stellt klar worum es geht.
Dem kreativ blockierten Schriftsteller Hank Moody gehen die Lorbeeren seines letzten Romans aus. Sein Porsche ist vermüllt, seine Wohnung ein ziemlicher Dreckstall und er selbst hangelt sich, Drinks schlürfend, von One-Night-Stand zu One-Night-Stand mit den Frauen die ihn noch erkennen.
Dabei strebt er eigentlich nach einer Beziehung mit nur einer Frau, der Frau. Doch sie hat ihn verlassen, samt Tochter, als absehbar wurde dass er nicht mehr der Lebensanker sein würde den sie sich wünscht. Seither lebt sie mit einem erfolgreichen und konservativen Geschäftsmann zusammen, unglücklich aber in klaren Verhältnissen.
Finanziell in die Enge getrieben und von seinem Freund und Agenten angestachelt, stimmt Moody schließlich zu für ein Celebrity Magazin zu bloggen. Er berichtet recht ungeschminkt über seinen eigenen Lebenswandel und trifft damit den Nerv seiner Leser. Es geht wieder aufwärts mit seinem Leben. Allerdings nicht ohne diverse Rückfälle und Verluste im Kampf um seine Traumfrau und die Zuneigung seiner Tochter.
Im Verlauf der Serie entpuppt sich Moody als eine Art Sexualberater seiner Freunde und Kollegen, die ebenfalls in diversen Krisen stecken. Indem er ihnen hilft, hilft er am Ende sich selbst.
Es sind die tagtäglichen Schwierigkeiten und Überwindungen die diese Serie so real erscheinen lassen. Es gibt keine Tabu dass nicht verletzt, keine menschliche Merkwürdigkeit die nicht ausgeleuchtet wird. Trotzdem wird gelacht. Ständig.
Californication ist eigentlich eine Komödie, die aus dem menschlichen Drama schöpft und die Kelle dabei tief in die Abgründe unseres Daseins taucht.
8 von 10 Punkten für Originalität und Humor
Kunst oder Technologie?
28. September 2008
Die Kunstsammlung Gera zeigt in der Orangerie derzeit eine Sonderausstellung, bei der es um Landschaften geht.
Das Spannende daran ist, dass dort Bilder aus zwei sehr unterschiedlichen Perioden buchstäblich nebeneinander hängen. Zum einen sind es Malereien niederländischer Meister aus dem 17. Jahrhundert und zum anderen Werke von Malern die heute in Europa und Amerika leben und zwischen 30 und 60 Jahre alt sind.
Anfangs fand ich es schlicht interessant die verschiedenen Stile zu sehen, aber dann entwickelte sich eine ganz neue, einleuchtende Erkenntnis: Die Malerei aus dem 17. Jahrhundert war die Fotografie jener Zeit. Natürlich gab es zum Beispiel 1650 noch keine Fotografie. Die kam erst 200 Jahre später. Aber die Genauigkeit und Schärfe der Abbildung zielte schon mehr auf eine Dokumentation hin, als eine verklärte Fantasie.
In dem Maße wie sich die Technologie weiter entwickelt hat und genaue Abbildungen ohne die Malerei möglich wurden, scheint die Malerei die Rolle der Verklärung und Andeutung angenommen zu haben. Genau das sieht man, wenn man sich die zeitgenössischen Werke in der Ausstellung anschaut: Unschärfe, Detaillosigkeit, Fantasie. Das Gegenteil von Dokumentation, sozusagen.
Ich bin nicht sicher ob diese Erkenntnis Sinn der Ausstellung war, aber jedenfalls ist es meine Interpretation.
Die Ausstellungsstücke entstammen der SØR Rusche-Sammlung. Mehr Informationen gibt es hier.
Kompetent!
26. September 2008
Sarah Palin, die republikanische Bewerberin für das Amt des Vizepräsidenten der USA erklärt ihre Sachkenntnis der Außenpolitik mit der Tatsache dass Alaska - der Bundesstaat dessen Gouvernor sie ist - an ein anderes Land (Kanada) grenzt und dass Russland auch nicht weit entfernt ist.
Allerdings macht sie diese Äußerungen nicht als Teil einer Comedy-Show, sondern im landesweiten Politikfernsehen, welche die Frage nach ihrer Kompetenz völlig ernst gemeint hat.
Prognose?
25. September 2008
Ich würde euch gern dazu einladen die Auswirkungen der Wirtschafts- und Finanzkrise in den Kommentaren zu diskutieren.
Welche Zukunftszenarien seht ihr? Sowohl in Amerika, als auch in Deutschland.
Ich greife mal ganz tief in die Worst Case Kiste und postuliere, dass die Präsidentschaftswahlen in Amerika verschoben werden. Außerdem sehe ich einen rapiden Wertverfall des Dollar und des Euro, bishin zur fast vollständigen Wertlosigkeit.
Was das für Auswirkungen auf unser tägliches Leben hat, ist die eigentliche Frage die mich umtreibt. Was passiert wenn Geld nichts mehr wert ist? Wie wird sich die Gesellschaft verändern?
Wall-E
23. September 2008
Nach langer Erwartung habe ich mir gestern Wall-E angeschaut und wurde angenehm überrascht.
Dass Pixar einen technisch außergewöhnlichen Film abliefern würde, hatte ich nahezu vorausgesetzt. Bemerkenswerter jedoch ist die offen politische und gesellschaftskritische Komponente des Streifens: Die bis zur Bewegungsunfähigkeit übergewichtige Bevölkerung, die ihr nur scheinbar hierarchisch unterstellten Roboter, Otto der Autopilot und der Plan der hinter allem steht: stetiger Konsum und Erhaltung des perversen Systems.
All das lässt deutliche Parallelen erkennen zur heute existierenden westlichen und besonders der amerikanischen Zivilisation.
Selbst die offensiv kriegerische Einstellung wird durch die programmierte Schießfreudigkeit des weiblichen Roboters Eve symbolisiert, der die vermüllte Erde besucht und alles nicht sofort identifizierbare kurzerhand ins Jenseits befördert. Gott sei Dank kann der gutherzige Aufräumroboter Wall-E ihrem Naturell anfangs ausweichen und sie umstimmen.
Trotz aller Verkommenheit der automatisierten Gesellschaft verzichtet Pixar nicht darauf, auch manchen der im System etablierten Roboter eine menschliche und freundliche Persönlichkeit zu geben und damit das Gute in allem hoch zu halten.
Über das oben genannte hinaus ist Wall-E ein wunderschöner Kinofilm für Kinder und Erwachsene mit hervorragenden Animationen und einer schwer zu schlagenden Liebenswürdigkeit.
9 von 10 Punkten
Orator
21. September 2008
Politik ist nicht mein Feld. Ich halte sie für weitgehend unfähig Probleme zu lösen, dementgegen äußerst fähig welche zu erschaffen.
Aus diesem Grunde schreibe ich nicht viel über Politik. Es lohnt sich nicht.
Ab und an jedoch begiebt es sich dass etwas heraus ragt aus diesem stinkenden Müllhaufen. Jemand sagt was Kluges oder Witziges. Vielleicht auch einfach mal die Wahrheit.
Nun will ich nicht behaupten, dass Gregor Gysi mein Held ist. Er ist vor allem ein Demagoge allerhöchster Garnitur. Sein feistes Antlitz ist dauerfeucht vom Schweiß der Übersättigung. Die Eingangstüren des Reichtags mussten wahrscheinlich verbreitert werden, damit sein Ego durchpasst. Seine Politik der kleinen Leute kaufe ich ihm nicht ab.
Aber das was er vor wenigen Tagen im Bundestag gesagt hat, war sowohl klug als auch witzig. Und wenn nur ein Teil dessen wahr sein sollte, müsste das gesamte Parlament schon aus Gründen der Scham geschlossen zurücktreten.
Dann gäbe es etwas politisches über das ich schreiben könnte.
Radio-G 155 - Netbooks
20. September 2008

Radio-G IT Experte Rene Schwietzke und ich philosophieren über die Herkunft der neuen Mini-Laptops, die millionenfach die Märkte fluten und meiner Meinung nach für die Arbeit im Internet konzipiert sind. Rene hingegen hält sie für gewichtsparende Spaß-Gadgets oder Einstiegsmodelle für Kinder.
Trotzdem hat er ein solches Netbook gekauft. Wir reden über Handhabung, Betriebssysteme, Applikationen und probieren die Tastatur seines Gerätes aus, die sich als Herausforderung entpuppt.

Musik:
Jonathan Coulton - A Laptop like You
Poesie
19. September 2008
Es sind kurze Gedichte die Reiner Kunze vorliest, manche nur zwei oder vier Zeilen lang. Langsam formt er jedes Wort, betont es dort wo es betont werden muss. Sein Duktus gleicht dem eines Geistlichen.
Viele seiner Verse handeln von Natur oder Orten, Momentaufnahmen wie Fotografien. Andere handeln von Menschen und manche von Politik und Weltgeschehen.
Auf eine Frage hin wird Kunze nach der Vorstellung sagen, dass selbst seine politischen Gedichte durch die menschliche Komponente inspiriert wurden und weniger politisch gemeint waren als sie den Anschein haben.
Doch noch liest er. Zwischen den scheinbar älteren Gedichten tauchen neue auf. Sie müssen neu sein. In ihnen geht es um Menschen die sich per Handy Liebesbekundungen zu texten und dabei aber in verschiedene Richtungen auseinander laufen. Selbst das Internet hat Kunze verarbeitet, in einem Kindergedicht.
Der Dichter ist 75, sein Haar weiß, seine Stimme belegt, seine Haut mit Altersflecken übersät. Aber er steht auf der Bühne, kerzengerade, in einem maßgeschneiderten Anzug mit oranger Krawatte.
Das Publikum ist stark gemischt. Ein großer Teil ist über fünfzig, einige etwa vierzig und viele deutlich unter dreißig. Manchen von ihnen sieht man das lyrische Interesse an. Es sind jene empfindsamen, fromm lächelnden, langhaarigen, bebrillten, in Leinen gewandeten Zeitgenossen.
Doch auch das Gegenteil ist anwesend, in Form von Männern und Frauen denen rhythmisch die Köpfe weg knicken. Sie sind hier, weil man sie gebeten, vielleicht sogar genötigt hat.
Reiner Kunze kennt das entweder, oder er merkt es nicht. Wahrscheinlich ist es ihm egal. Der mit Preisen und Lob überhäufte, hofierte Literat muss nichts mehr beweisen. Er stellt nur noch fest, schaut vergebungsvoll und dichtet einfach weiter.
iPhone ab Oktober als Prepaid-Version
18. September 2008
Scheinbar hat T-Mobile beschlossen, dass iPhone bald auch ohne Vertrag zu verkaufen, wobei das Simlock weiterhin bestehen bleibt.
Die Rede ist von 569 Euro für die 8GB Version. In diesem Preis sind 100 Euro Gesprächsguthaben angeblich bereits enthalten.
Alleskönner
18. September 2008
Ende November kommt Canon mit der neuen 5D Mark II raus. Die Spiegelreflexkamera hat einen Vollformatsensor, die ISO-Zahlen tendieren gen unendlich und der Knüller: Videoaufzeichnung. In HD-Qualität.
Schwer zu glauben, aber das Stück soll nur 2500 Euro kosten, ohne Objektiv.
Mehr Informationen zur Kamera.
Foto: Canon








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