Outside the Box

4. Juli 2008

Bei gewissen Formen der globalen Verteilung von Arbeit muss man sich unwillkürlich am Kopf kratzen.

Manche amerikanische Unternehmen, Weltmeister des Outsourcing, quälen ihre Kunden schon seit Jahren mit Call Centern in Indien und anderen asiatischen Ländern in denen die englische Sprache, selbst wenn sie gesprochen wird, phonetisch nicht zu erkennen ist.

Jetzt wird ein neues Experiment aufgelegt bei dem vom Untergang gefährdete Lokalzeitungen redaktionelle Arbeit und Layout-Tätigkeiten nach Indien abgeben.

Der Gedanke dahinter scheint zu sein: Die Jungs können zwar nicht englisch sprechen, aber schreiben sollte gehen. Bei der Anordnung von Text und Bildern kann man nicht viel falsch machen. Und natürlich: Es ist billiger.

Wenn das Experiment gelingt, könnten Lokalredaktionen bei US-Blättern weiter geschrumpft werden und die Zeitungen ihren Tod noch etwas hinaus zögern.

Ich bin etwas erstaunt darüber dass sich die Kosten für Lokalredakteure überhaupt noch senken lassen. Als ich mich das letzte Mal bei einer amerikanischen Zeitung als Vollzeit-Redakteur beworben habe, bot man mir 7 Dollar pro Stunde und erwartete dass ich Auto und Benzin selbst zahle. Dabei bin ich durchaus hellhäutig. Und männlich.

Andererseits imponiert mir immer wieder mit welchem Pragmatismus Amerikaner fest gefügte und über Jahrhunderte gewachsene Denkweisen einfach aus dem Weg kicken um zu sehen was noch so alles geht. Leider birgt diese Offenheit für Neues ebenso viele Gefahren wie großartige Möglichkeiten.

Zum Beispiel haben sie gerade entdeckt, dass in Nevada oft die Sonne scheint und dass Solarzellen Elektrizität herstellen. Mich würde nicht wundern wenn die amerikanischen Wüstenstaaten in Zukunft von oben betrachtet einen deutlichen Blauschimmer haben. Aber das ist ein anderes Thema.

Ich jedenfalls bin dafür dass wir die Lokalzeitungsredaktionen meiner Stadt in die Südschweiz verlegen. Die Verteilung auch.

Heißes Eisen?

4. Juli 2008

Seit Wochen versuche ich einen Interviewpartner zu finden, der mir den Status der Europäischen Verfassung erklären kann und was das negative Referendum Irlands nun genau bedeutet.

Lothar Späth war meine große Hoffnung, aber er hat aus Zeitgründen abgesagt. Ein FDP Politiker und Europaexperte im Bundestag hat sich gar nicht auf meine Anfrage gemeldet.

Es ist ziemlich seltsam. Für manche Themen ist die Recherche extrem zäh, teilweise führt sie sogar ins Nichts.

Man könnte auch sagen, je bedeutender und weitgreifender ein Thema ist, desto größer wird die Stille vorm Mikrofon.

Wenn jemand von euch Tipps für mich hat, würde ich die gerne hören. Auch gern Vorschläge für andere Themen die euch interessieren.

UPDATE: FDP Europaexperte hat gerade angerufen und zugesagt! Das Interview kommt nächste Woche.

Radio-G 145 - Abendmahl

3. Juli 2008

Im Panorama Restaurant, 29 Stockwerke über der Leipziger City, gibt es Linsensuppe mit Brot. Ein Nachtmahl mit Henning Bulka kurz nach der Aufzeichnung des Spreadshirt Interviews (Podcast 144).

Während wir über Gott und die Welt reden, deckt eine Kellnerin bereits die Tische für den nächsten Morgen.

Am Ende des Gespräches kann mich Henning gerade noch davon abhalten Radio-G um zu benennen.

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Musik:

Stingray - 143
Stefanie Harger - Black Coffee

Kinocast - Married Life

2. Juli 2008

Es sind die späten 40er Jahre, irgendwo in Nordamerika. Männer tragen Hüte und haben Tischmanieren. Frauen hüllen sich in elegante Kleider mit dezenter Körperbetonung. Im Radio spielen Bigbands romantischen Jazz und jeder der was auf sich hält raucht.

In diesem Setting spielen Chris Cooper, Pierce Brosnan, Patricia Clarkson und Rachel McAdams eine Liebestragödie der ganz klassischen Art.

Eine scheinbar gut funktionierende Ehe zweier Endfünfziger steht vor dem Aus. Er hat eine neue Frau kennengelernt die er zu lieben meint. Sie macht im Wochenendhaus mit einem jüngeren rum. Beide glauben der andere könne ohne sie nicht leben.

Ein Groschenroman auf Zelluloid.

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Trotzdem hat dieser Film etwas, eine alte und doch neue Qualität. Er orientiert sich in seiner Banalität an der Wirklichkeit und wirkt dadurch ehrlich und nachvollziehbar.

Für Action- und Horrorkonditionierte Kinogänger ist dieser Streifen eine Qual. Die Handlung wird kaum beschleunigt. Es gibt keine wirklichen Twists. Lediglich der Giftmord den der untreue Ehemann an seiner Frau plant bringt zum Ende des Films eine gewisse Spannung ins Spiel und als ein niedlicher Hundewelpe unbeholfen in die Szene purzelt, seufzen die weiblichen Zuschauer im Chor.

Ich persönlich halte diesen Film für ein cinematisches Experiment dass sich auf Statistik gründet. Menschen die alt genug sind um dieses Filmgenre zu kennen, gehen kaum noch ins Kino. Für heutige Kinogänger ist diese Art der Produktion etwas völlig unbekanntes. Genauso wie neu gecoverte Beatlesklassiker von 16-jährigen als extrem innovative Musik empfunden werden.

Eine IMDB Bewertung mit derzeit 600 Abstimmungen gibt dem Film 7,5 von 10 Punkten.

Meine Prognose: Das Experiment ist gelungen und es wird bald wieder häufiger auf der Leinwand geraucht werden.

Kinocast-Moderatoren: Eric, Fabius, Sebastian und Michael

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