Blogging in Style
9. Januar 2007

Mein neues Hobby.
Heute aus dem Panorama Restaurant Scala im Intershop Tower Jena.
Fetzt!
Sicherheitsgebärden
7. Januar 2007

Für alle von Euch, die sich schon immer gefragt haben, was diese ominösen Lautsprecherdurchsagen vorm Take-off eigentlich bedeuten.
Ist Bloggen Selbstdarstellung?
7. Januar 2007
Dies ist eine Kommentardiskussion.
Dresden, Teil II
5. Januar 2007
In den siebziger Jahren war ich zum ersten Mal hier. Damals durfte ich allerdings noch nicht frei umher laufen, sondern wurde an einem Halfter geführt. Das war notwendig, weil ich sonst die Stadt auf eigene Faust erkundet hätte. Eltern bewegen sich so extrem unmotiviert.

Wer den Film “Die Unglaublichen” gesehen hat und mit der Figur des “Flash” vertraut ist, bekommt eine Vorstellung von den Problemen eines Supers, der sich als normales Kind tarnen muss. Ritalin wurde erst Jahre später vermarktet. Insofern entkam ich dem Schicksal medikamentöser Ruhigstellung.
In den Siebzigern war die Prager Strasse beeindruckend, heute ist sie erschlagend. Wenn man zum Einkaufen nach Dresden kommt, kann man hier einen ganzen Tag verdampfen, ohne jemals zum Zwinger oder der Frauenkirche vorzudringen. Alle großen Marken sind da und sie werden genauso präsentiert wie in den meisten anderen Großstädten dieses Landes.
Es ist zum Heulen. Ich könnte im Inneren eines bestimmten Kaufhauses ein Foto machen und es als Bilderrätsel online stellen. Vermutlich würde niemand es treffsicher einordnen können, weil es als Klon in mindestens zwanzig anderen Städten existiert. Trotzdem verfiel ich dem Übel in der Hoffnung hier etwas anderes, neues zu finden. Es gelang nicht. Aber ich kaufte ein Buch.
Dresden Neustadt war mir seit langem empfohlen worden und ich war sogar schon mal dort vor einigen Jahren für eine Reportage und ein Foto-Shooting. Es ist interessant wie wenig man von seiner Umgebung wahrnimmt, wenn man aus beruflichen Gründen anwesend ist. Das würde diesmal anderes werden.

Die Dresdner Neustadt liegt (aufgepasst !) rechtselbig. Klingt antik, gelle? Es bedeutet aber schlicht: Rechts der Elbe. Das ist so wie linksrheinisch, aber im Falle von Dresden weniger dramatisch. Im Gegenteil, die Neustadt ist sehr reizvoll, deutlich weniger wuchtig als die Touristenmühle auf der anderen Seite des Flusses und sehr abwechslungsreich.
Dass etwas anders war, spürte ich zum ersten Mal in der Rothenburger Straße in der sich unzählige kleine, aber scheinbar prosperierende Läden aneinander reihten. Wo sieht man sowas schon noch, außer vielleicht in Brighton, und das liegt nicht in Deutschland.
Die Ladenbetreiber sind jung, freundlich und ihr Angebot überschaubar. Auf der Strasse traf ich niemanden über fünfzig. Erstaunlich. Und ich sah zum ersten Mal an diesem Tag hübsche Mädchen. Die müssen alle dort wohnen. Auf der Prager Straße, eine Stunde zuvor, war Ebbe.
Nur bei Karstadt, in der Kosmetikabteilung, sah es gut aus, aber das liegt in der Natur der Sache.
Die Neustadt macht den Eindruck eines sehr alten Studentenwohnheims, dessen Reinigungspersonal, höllisch breit, in avantgardistischen Hinterhöfen kiffend die Misere lamentiert. Man könnte auch sagen “leicht angeschmuddelt”, aber diese Vokabel steht in jedem pseudoauthentischen Reiseführer…
Ende Teil II
Podcast Nummer 68
5. Januar 2007

Kurzer Wochenendpodcast mit viel Musik!
Music:
Dresden, Teil I
4. Januar 2007
18.00 Uhr. Irgendwo bei Chemnitz. Es ist zu dunkel, die Ansagen des Zugbegleiters nicht zu verstehen.
Zehn Stunden Dresden liegen hinter mir. Interessant wie immer und hart wie noch nie. Schon heute Morgen begann sich die relative Schieflage dieses Tages anzudeuten: Verschlafen. Zum Bahnhof laufen undenkbar. Taxi.
In Erwartung der üblichen Komplikationen betrat ich die Ticketverkaufsstelle der Deutschen Bahn. Der Preis des 3-Ländertickets war erhöht worden, wie nicht anders zu erwarten im neuen Jahr. Allerdings wurde ebenfalls eine günstigere Single-Version eingeführt. Ein Lichtblick.
Interessanterweise kosten Tickets an der Ticketverkaufsstelle 2 Euro mehr als am Automat. Der Automat hingegen verweigerte die Annahme meiner Geldscheine. Wenn dann keine Zeit mehr bleibt, weil ja auch irgendwann der Zug fährt und man dort nachlöst, zahlt man noch mal drauf. Das bedeutet DB-Kunden zahlen Strafe für nicht funktionierende Technik des Unternehmens. Die Schaffner meinen dann, man hätte ja früher zum Bahnhof kommen können, um genügend Zeit zu haben sich mit der nicht funktionierenden Technik zu befassen.
Als der Zug Gera verließ wurde es langsam hell. Schon nach 20 Kilometern Fahrt begann jener Teil dieses Landes welchen ich als den “richtigen Osten” bezeichne. Die Ortschaften haben den gleichen Charme den sie kurz nach Ende des zweiten Weltkrieges hatten. Vermutlich waren damals sogar die Straßen besser. Es scheint als habe man diese Orte direkt von 1945 in die Gegenwart gebeamt und dann “Quelle” und “Hamburg Mannheimer” Schilder über die Eingänge der Häuser geheftet.
Auf der Fahrt las ich Jan Weilers “In meinem kleinen Land“. Er erzählt über die einzelnen Etappen seiner Lesereise durch Deutschland. In Dresden meint er die schönsten Mädchen gesehen zu haben. Na dann.
Über Erfurt und seine Bewohner äußert Weiler sich sehr lobend, was ich unterstreichen möchte. Ich will keine Vergleiche anstellen, aber Erfurt ist realer als Freiburg, ohne hässlicher zu sein, sondern einfach nur weniger perfekt.
Chemnitz verdient, vom Zug aus betrachtet, das Prädikat “unbefriedigend”. Selbst Dresden kommt ähnlich daher wenn man das Aussehen der Vororte in die Bewertung einfließen lässt. In dem Maße in dem man sich der Innenstadt nähert, verändert sich jedoch die Umgebung drastisch. Der Dresdner Hauptbahnhof ist dann schon voll auf der Höhe modernder deutscher Großstädte.
Die Außentemperatur in Dresden war mit 9 Grad eigentlich mild zu nennen, aber ein starker Wind trieb die gefühlte Temperatur weit unter den Gefrierpunkt. Trotz Rollkragenpullover und eines so genannten Windbreakers war es hochgradig unangenehm auf der Prager Strasse, der Vorzeigemeile dieser Stadt.
Ende Teil I
Hoppala!
4. Januar 2007

Die dünne Haut der Zivilisation
3. Januar 2007
Es ist wie im Krieg.
Unten auf der Straße steht ein orangefarbener Trinkwasserbehälter auf Rädern. Die Wassergesellschaft hat ihn heran gekarrt nachdem klar wurde, dass die Havarie heute nicht mehr behoben werden kann. Das war heute Nachmittag.
Gestern Abend kam ein übermüdeter Herr im Blaumann und verkündete die erste frohe Botschaft des Jahres. Er müsse jetzt das Wasser abstellen, aber gleich morgen früh würden sie baggern.
Entweder war er wirklich so naiv oder noch nicht lange im Job. Baggern am zweiten Januar, gleich früh. Allein der bürokratische Vorlauf beträgt in diesem Lande mindestens einen Tag, egal wie groß die Havarie ist. Von Technik und nüchternen Arbeitern ganz zu schweigen.
Ich ziehe ins Hotel, dachte ich. Das ist einfach, bequem, jemand macht Frühstück für mich und ich gehe morgens entspannt zu meinem ersten Termin. Ich könnte sogar einen Fotoroman draus machen und einen Podcast. Aber ich wollte mal wissen wie das ist. The hard way. Cowboy-Romantik, der Marlboro Man.
Die Erkenntnis: Ohne warmes Wasser aus der Wand sieht die Welt ganz anders aus.
Duschen kann man bei der Verwandtschaft. Das geht. Aber mit dem Abwasch ist es schon schwieriger. Vor dem Abstellen hatte ich den Wasserkocher noch mal aufgefüllt. Das wird reichen. Aber nicht zum Abspülen. Und das muss sein, sonst schmeckt der Tee nach Pril.
Etwas Billigwasser aus dem Supermarkt muss herhalten. Das Volvic bleibt für den Tee, Zähneputzen und die Waschlappenwäsche morgen früh. Die Toilettenspülung kommt aus einem roten Plastikeimer.
Wenigstens geht die Heizung. Wenn der Strom ausfällt, geh ich doch ins Hotel. Nicht wegen dem Licht, sondern wegen dem Internet.
photo: Hamed Saber
Neues Spiel
1. Januar 2007
Das Wetter ist mies, aber der Hunger treibt mich hinaus. Die letzte Bio-Banane ist weg und das Knäckebrot brauch ich für heute Abend. Jetzt ist es Zeit für etwas Handfestes.
Mit Marcel Reich-Ranicki und Elke Heidenreich in den Ohren beginne ich meinen Slalom-Kurs durch die Stadt, herum um die bunten Papierhäufchen des Vorabends und andere Häufchen Knallterrorisierter Vierfüßer.
„Das ist übertrieben!“ lispelt Reich-Ranicki lautstark als Heidenreich ihn zum Leiter des Feuilletons der FAZ stilisiert. Heidenreich muss lachen und klingt dabei sehr sexy, obwohl sie 62 ist, aber ich kann sie ja auch nur hören.
Am Bahnhof gibt es eine Kneipe die heißt Downtown, was irreführend ist, da sie sich ja am Bahnhof befindet und der liegt nicht wirklich zentral. Der Attraktivität der Kneipe tut das aber keinen Abbruch, zumal es gegenüber im Bahnhof einen Laden gibt, der auch heute geöffnet hat. Der kommt später dran.
Jetzt erst mal rein. Es sind andere Gäste da, aber nicht besonders zahlreich. Genügend Ruhe für eine angenehme Lektüre jedenfalls. In der neuesten Ausgabe des Interview-Magazins Galore lese ich ein Gespräch mit Helge Schneider. Er brilliert mit Ehrlichkeit, Genauigkeit, Gelassenheit und dem ihm eigenen Humor.
Weiter hinten kommt ein noch interessanteres Interview, nämlich mit einem Interviewer, Sven Michaelsen. Über 500 Promis hat er befragt und da sammelt sich natürlich Erfahrung an. Was viele nicht wissen ist, dass die meisten schriftlichen Interviews vor ihrer Veröffentlichung von den Interviewten „korrigiert“ werden. Manche tun das aber nicht, sondern warnen nur, so wie Franz Xaver Kroetz: „Wenn Sie bei der Bearbeitung schwindeln, trete ich Ihnen mit Bergschuhen in die Fresse!“
Ich bestelle einen Schwarztee und eine Apfelschorle. Der Tee wird hier nicht in Tassen serviert, sondern in braunen Tonschalen, deren Ränder oft angeknabbert sind. Irgendwie beeinflussen diese Gefäße den Geschmack. Positiv.
Der Nebentisch ist leer und sieht extrem fotogen aus. Ich debattiere kurz mit mir selbst ob ich meine Kamera rausholen soll, traue mich aber nicht. Es ist mir peinlich. So ein Quatsch.
Das Essen ist vorzüglich und dabei so einfach. Ein Putensteak, Erbsen, ein paar Salzkartoffeln, Salat. Keine Soße.
In letzter Zeit fällt mir immer öfter auf, dass Gäste in Restaurants aufstehen um die Bedienung zu holen. Entweder sind sie ungeduldiger als früher, oder die Bedienung lässt sich mehr Zeit.
Nach dem Essen gehe ich in den Zeitungsladen am Bahnhof und kaufe die FAZ am Sonntag. Mal sehen ob das Feuilleton wirklich so gut ist, wie MRR behauptet.
Impressum
1. Januar 2007
Impressum
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