Schnupperkurs

12. Januar 2006

Ich würde gern einen Hund haben, kann es aber nicht, weil die wenigsten Hunde Geduld aufbringen für meinen ruhearmen Lebensstil.

Wie wäre es schön, dachte ich neulich, wenn es im hiesigen Tierheim die Möglichkeit gebe, die dort lebenden Hunde spazieren zu führen. Also einen jeweils. Sonst wird der Spaziergang zum Spazierflug mit sporadischem Bodenkontakt.

Heute schließlich habe ich beim Geraer Tierheim angerufen und zu meiner großen Verwunderung erfahren, dass schon vor mir jemand auf diese Idee gekommen war. Es geht also tatsächlich. Wenn man sich vorher anmeldet, kann man mit Pfiffi, Agnes oder Max, wie Hunde halt so heißen, für ein oder zwei Stunden die Elsterufer unsicher machen. Ist doch was!

Bald werd ich’s tun und natürlich berichten.

Gera Postcard, Nummer 8

10. Januar 2006


Heutiger Sonnenuntergang

Eilt!

9. Januar 2006

Was tut man wenn der Nachwuchs das Schulbrot zu Hause liegen lässt? Na ja, ich würde es selber essen und hoffen dass der Bengel was draus lernt wenn ihm später der Magen knurrt. Ich bin aber auch kein Durchschnittsvater, sondern orientiere mich an preußischen Erziehungsmustern.

Kuschelvatis- und Muttis werden eher dazu neigen, dem Balg die Stulle hinterher zu tragen, oder sie persönlich zur Schule fahren.

Wenn man all das nicht auf sich nehmen will, weil einem die Zeit davon läuft usw., dann gibt es noch eine Möglichkeit. Nicht alltäglich, zugegeben, aber absolut zuverlässig. Man schickt das Ganze einfach mit dem Citykurier.

Gibt es nicht? Gibt es wohl. Patrick Horn, Geschäftsführer des Citykuriers, hat solche Sendungen sogar schon mehrfach ausgeliefert. Ausnahmecharakter trägt es natürlich schon. Bei 5 bis 8 Euro Zustellungsgebühr im Stadtgebiet ist eine solche Pausenmahlzeit reichlich teuer. Der Citykurier ist Gott sei Dank nicht auf derart skurrile Fracht angewiesen um sein Dasein zu fristen. Der Hauptteil des Geschäftes besteht aus Briefsendungen.

Das war nicht immer so. Als Horn im Juli 96, damals noch Abiturient, die Firma zusammen mit einem Freund gründete, waren eher größere Sendungen angedacht, die dann unter anderem von Horn selbst per Fahrrad ausgetragen wurden. Dieses Konzept funktionierte allerdings schlechter als erwartet und so kam die Idee mit den Briefen.

Patrick Horn

Am 1.1.98 fiel das Postmonopol und es konnte offiziell los gehen. Heute stellt Citykurier ca. 250,000 Briefe pro Monat zu. Allein in Gera. Später expandierte die Firma nach Jena, Zwickau und Altenburg. Mit Hilfe von Partnern können so Thüringen, Sachsen und Teile Sachsen-Anhalts bedient werden.

Die Kunden sind fast ausschließlich Firmen und Behörden. Privatbriefe machen nur fünf Prozent des gesamten Zustellvolumens aus. Genau dort sieht Patrick Horn Nachholbedarf.
Unter anderem deshalb wurden im Geraer Stadtgebiet mehr als 30 Briefkästen aufgestellt und Firmeneigene Briefmarken zum Kauf angeboten.

Die Trümpfe des Citykuriers im Bezug auf Privatkunden sieht Horn zum einen beim Portopreis, welcher unter dem der Post liegt, und der Auslieferung am selben Tag. Vorausgesetzt die Briefe werden bis Mittag eingeworfen. Bei größeren Mengen wird sogar direkt beim Versender abgeholt.

Als Pausenbrotnachsender komme ich selbst, aus rein erziehungspolitischen Gründen wie gesagt, nicht in Frage, aber den ein oder anderen Brief würde ich schon mal mit dem Kurier schicken. Allein schon der blauen Briefkästen und Briefmarken wegen. Die gefallen mir irgendwie besser als die gelben. Preussisch halt.

Gera Postcard, Nummer 7

6. Januar 2006



Just chillin’

6. Januar 2006

Musik als Lebensgefühl. Bei mir wäre das ein Gemisch aus Free Jazz und Hard Rock. Also das totale Chaos. Bei Hans-Peter ist es Ambient, New Age und Space. Also immer easy, keine Panik, alles im Griff.

Unter dem Künstlername Magic Dimension produziert und publiziert Hans-Peter seit 1998 elektronische Musik. In seiner Lusaner Wohnung stapeln sich Tontechnik und Computer. Dazwischen der unvermeidliche Aschenbecher. Entspannungsmusik zu machen ist offenkundig auch nicht ganz stressfrei. Alle paar Minuten klickt das Feuerzeug gefolgt vom süchtigen Einsaugen des ersten Zuges.

„Musik produzieren soll Spaß machen“, findet Hans-Peter. „Meine mentale Musik ist eine Art, mich zu entspannen. Meine Songs sollen beruhigend wirken, Geschichten erzählen oder Landschaften beschreiben. Ich “male” mit meiner Musik Bilder in den Köpfen der Zuhörer, die für einige Zeit der Realität entfliehen und ich freue mich wenn meine Musik gefällt.“

Das kann ich so bestätigen. Die Melodien von Magic Dimension sind sehr beruhigend, manchmal fast hypnotisch und sicher sehr gut zum meditieren geeignet. Die Qualität seiner Stücke attestieren zahlreiche Rezensionen von Hörern im Internet. Radiostationen die im Internet senden sind auf Hans-Peters Musik aufmerksam geworden und nehmen sie in ihre Programme auf. Auch Radio-G wird sich dort bald anschließen.

Wer selbst mal reinhören will, kann sich auf der Webseite von Magic-Dimension Beispiele der jeweiligen Alben runterladen. Alle Musikstücke sind auf mp3 Portalen im Internet kostenlos erhältlich. Mein Favorit: Wolkenlos.

Gera Postcard, Nummer 6

4. Januar 2006


Plattenweg zum Bahnhof

Demonstrativ

3. Januar 2006

Montagabend 18.00 Uhr.
Ich laufe den Steinweg runter, Richtung Kirchstrasse. Vom Hauptmarkt her schallen die Trillerpfeifen der Montagsdemo die Häuserwände entlang. Rechts über mir steht ein Mann am Fenster. Während ein Demonstrant unten auf dem Markt das Megaphon quält, ruft der Mann am Fenster „Nazischwein“, kurze Zeit später dann „Kommunistenschwein“. Er kann sich offenbar nicht entscheiden.

Es ist derselbe Mann aus dessen Wohnung den lieben langen Tag fragwürdige Popmusik in Demolautstärke hervorquillt. Oft und gerne mal die Gruppe Pur: „Wir fahrn ins Abenteuerland, der Eintritt kostet den Verstand.“ Der Mann am Fenster ist Abenteurer. So viel ist klar.

Eigentlich liegt es nicht auf meinem Weg, aber der Neugierde halber laufe ich über den Markt und höre mir dabei die Kampfreden der Demo an. Gerade spricht ein Mann über den Arbeitslosengeldbescheid seiner Frau. Drei Euro lag die Überweisung vom Arbeitsamt unter der zuerkannten Summe. Einspruch! Natürlich. Dann wieder Trillerpfeifen. Karneval.

Die Demo ist klein. Etwa 50 Menschen zähle ich. Dazu zwei Polizisten. Die lachen nur. Verbeamtet.
Immer wieder laufen Passanten achtlos an den Demonstrierenden vorbei. Sie wollen es wohl nicht mehr hören, das ewige Beschweren. Kann ich auch irgendwie verstehen. Es ist halt eine Sache der Herangehensweise. Vielleicht sollte man mal für Lösungen demonstrieren, statt gegen Missstände.

Kleiner Tipp aus der Marketingbranche: Positive Formulierungen ziehen besser. Mitnehmen statt wegstoßen. Und, der Ton macht die Musik.

Zum Anbeissen

2. Januar 2006

Yeah!!!

100 Punkte für Wirklichkeitsnähe in der linken Bildhälfte!
Und Geld fürs Model gespart.

« Neuere Artikel