Kino wie in den Zwanzigern
18. Dezember 2005
Wer schon immer mal wissen und erleben wollte, wie Kinos in der Zwanzigern aussahen und sich anfühlten, kann das jetzt tun.
Im Geraer Stadtmuseum ist der Teil eines Kinosaales nachempfunden worden, komplett mit Stühlen, einem Kartenverkaufshäuschen und einem kurzen Film mit Eindrücken aus dem Gera jener Zeit.
Wenn ich mich richtig entsinne, handelt es sich um Szenen eines Sportfests und eines Arbeiteraufmarsches auf dem Hauptmarkt. Wahrscheinlich war da noch mehr, aber das könnt ihr euch ja selbst anschauen. Ach ja, eine Szene vom Sommerbad ist auch dabei. Das Becken wird gerade frei gegeben und eine Horde Kinder springt hinein.
Die Sportfestszene ist ganz lustig, weil man typische Geraer dort sehen kann, die sich im Beisein der Kamera, die damals ja noch etwas exotisches war, sehr menschlich verhalten. Manche scheu lächelnd, die Mädchen mit Augenaufschlag. Die Gewichtheber lassen natürlich den Herkules raushängen. Wie das halt so ist.
In der Ausstellung gibt es übrigens auch eine Sammlung von Fotografien aus allen Epochen seit 1830, teilweise neben zeitgenössischen Aufnahmen. Zum Vergleich sozusagen.
Gera Postcard, Nummer 1
18. Dezember 2005
Wer weiß wo’s ist?
Kein Ost/West Bashing, dafür schöne Gespräche
16. Dezember 2005
Der Abend im OKG ist vorbei, meine Eindrücke noch frisch und deshalb habe ich mich entschlossen, meinen Bericht zumindest gleich zu formulieren. Posten kann ich ihn dann morgen.
Los ging es um sieben mit der Würdigungsrede der Chefin des OKG. Laudatio heißt so was und das Thema war die Fotoausstellung von Ramon Miller, Fotograf und – wie ich später herausfand – Baudezernent der Stadt Gera. Baudezernenten sind halt auch nur Menschen. Manche fotografieren sogar. Dieser fotografiert hauptsächlich Landschaften und Architektur. Gera, Paris, New York. In dieser Reihenfolge. Oder: Zwötzen, Louvre, Time Square. So soll es sein.
Als Geraer könnte man da lachen, weil es irgendwie eingebildet klingt. Tatsache ist aber, dass Gera – obwohl des die Einheimischen nicht so sehen mögen – sehr wohl mithalten kann mit anderen, größeren Plätzen dieser Welt. Dazu aber später mehr.
Nach der Ausstellungseröffnung wurde es kurz peinlich (also für mich zumindest, aber ich bin ja auch verklemmt), weil ein offenkundig schauspielernder Mann der aussah wie der Bruder von Peter Lustig, die versammelten Gäste zum Singen animieren wollte. Manche sangen. Ich nippte leicht errötet an meinem kostenlosen(!) Bier.
Danach kamen die üblichen Stehempfangsgespräche bei denen sich Menschen anderen Menschen vorstellen oder von wieder anderen Menschen vorgestellt werden. Man kennt das ja aus Filmen.
Ich zähle nicht zu den besonders extrovertierten Menschen, verließ also die fröhlich Stehempfangenden und schaute mich im Studio um. Hier sollte nachher eine Gesprächsrunde zum Thema Ost/West stattfinden. Momentan spielte sich ein Gitarrist mit Weihnachtsliedern warm. Die Violinistin neben ihm sang leise dazu. Zwei Damen in Interviewsesseln bekamen Kragenmikrofone angesteckt. Der Moderator versuchte sich zu konzentrieren. Ich schoss Fotos.
Ein paar Minuten später ging es einfach los. Kein großes Tamtam, kein Salbadern, keine Jazzfanfare. Guten Abend meine Damen und Herren. Zwei Wessifrauen, die eine aus Hannover, die andere aus Hessen. Was hat Sie denn hierher verschlagen? Warum gerade Gera? Wie hat man Sie empfangen? Diese Fragen hätte man sich auch 1990 ausdenken können. Die Damen taten mir ein wenig leid.
Sie trugen es mit Fassung und brachten mit Hilfe einiger Anekdoten das Gespräch auf den Punkt: Das Thema Ost/West ist zumindest für im Osten lebende Wessis einfach durch. Die Wende liegt 15 Jahre zurück, liebe Ossis. Macht euch mal locker. Wir arbeiten hier, wir leben hier, unsere Kinder gehen hier zur Schule und sprechen Gersch’, zum Kreuzdonnerwetter (Anmerkung des Verfassers). Der Moderator bohrte freundlich weiter.
Auch beim folgenden Gespräch setzte sich dieser Trend fort, wenn auch auf statusmäßig höherem Niveau. Herr Fuchs, Richter am Verwaltungsgericht Gera und Herr Vornehm, kaufmännischer Vorstand der Geraer Stadtwerke stellten sich nun leicht abgewandelten Fragen. Es half nichts. Die Wessis wollten partout nicht in die rhetorisch herauf beschworene Verteidigungshaltung wechseln. Ganz im Gegenteil. Sogar der hinter mir sitzende, wenig diplomatische Flüsterossi war mittlerweile verstummt. Selbst er hatte es begriffen.
Der Wendepunkt kam mit einem Kommentar des Herrn Vornehm, der mehrere Jahre in Heidelberg, dem Glitzervorzeigeort Deutschlands, zu Hause war und anmerkte, dass Gera im Vergleich mehr zu bieten hätte, besonders wenn es um Kultur ginge. Wenn man in Heidelberg wohnt, muss man zum Kulturgenuss mindestens nach Mannheim reisen, eher noch nach Frankfurt. In Gera ist das nicht notwendig.
Ich habe in Gedanken applaudiert. Nach fast fünf Jahren Amerika sage ich jedem der es hören will: Ich kann in Gera an einem Tag mehr erleben als in einem Jahr USA. Das ist einfach so.
Zwei Musikeinlagen und eine Gesprächsrunde weiter war die Sendezeit vorbei.
Zurück im Stehempfangsraum widmete ich mich einem weiteren Bier, mehreren liebevoll hergerichteten Knoblauchversetzten Brotscheiben und einem Gespräch mit dem Fotografen des Abends.
Wir sprachen über Komposition, Farben, den stilistischen Wert von Eisenbahnanlagen in der Fotografie und über Bürgerhäuser in Paris. Dann war mein Bier alle und ich ging nach Haus.
Es war sehr schön beim OKG. Ich habe das Gefühl viel gelernt zu haben. Über Gera, die Menschen und was sonst noch so passiert.
Live im O.K. G
16. Dezember 2005
Heute Abend um 19.00 Uhr überträgt der Offene Kanal Gera live die Eröffnung einer Ausstellung des Fotografen Ramon Miller in der Schassen Galerie. Die Galerie befindet sich im Gebäude des OKG, Webergasse 6/8.
Ab 20.00 Uhr findet im Studio des OKG eine ebenfalls live ausgestrahlte Talk Show mit dem Titel „Eisige Zeiten“ statt.
Es wird darum gehen, „…ob und inwieweit eine Annäherung westdeutscher Mitbürger an Ostdeutsche stattgefunden hat, wie ehemalige Westdeutsche ihre Identität heute beschreiben, was ihnen liebenswert im Osten erscheint und welche Eigenarten sie eher einem ostalgischen Mythos zuordnen würden…“
Ich hoffe, es wird kein Wessi/Ossi Bashing werden, sondern ein gehaltvolles Gespräch.
Nach kurzem Telefonat mit dem OKG fand ich heraus, dass die Veranstaltung heute Abend für jeden kostenfrei zugänglich ist. Es wird Getränke geben. Über die Bierpreise habe ich leider nichts in Erfahrung bringen können.
Ich werde heute Abend selbst vor Ort sein und einen kleinen Bericht für Radio G schreiben.
Soundcheck
15. Dezember 2005
Hier kommt der erste Eindruck des zukünftigen Podcast. Momentan noch ohne Musik.
Spiellänge der Aufnahme ist 3 Minuten und Dateigröße 1,5MB (halb so groß wie erwartet).
So oder so ähnlich wird es dann also klingen, wenn die Technik da ist.
Heute keine Bildung
14. Dezember 2005
Original Shakespeare Zitate ins Deutsche zu übersetzen, ist wie Scrabble spielen ohne Vokale. Da braucht man fachmännische Hilfe. Diese wollte ich mir heute in der Geraer Bibliothek holen.
Nur leider, man glaubt das gar nicht, ist die hiesige Quelle irdischen Wissens mittwochs geschlossen. Nicht nur diese Woche, weil bald Weihnachten ist, nein jeden Mittwoch. Dafür hat sie dann am Samstag geöffnet, drei lange Stunden.
Dabei ist mir aufgefallen, dass, ganz entgegen meinen Erwartungen, die Geraer Bibliothek gut genutzt wird. Es sind immer Leute da, junge vor allem. Letzten Samstag saßen an einem Tisch beim Getränke-Automaten fünf oder sechs Sechzehnjährige.
Statt der üblichen Brunftlaute hörte ich dort ein erschreckend weil gutes philosophisches Gespräch über irgendwelche Dinge in Gera oder so. Genaue Zusammenhänge habe ich nicht erhaschen können. Klar war nur, dass sich die Jungs und Mädels dort echte Gedanken machten. Ich hätte fast meinen Kakao verschüttet.
Am KuK wird’s glatt
13. Dezember 2005
Sieht nach nichts aus, wird aber bald was.
Nein, kein neues Kaufhaus. Diesmal ist es was Sinnvolles. Und es wird sogar Spaß machen, hauptsächlich den Kindern.
Diese braune Fläche wird eine Eislaufbahn. Spritzeis, um genau zu sein. Das heißt, da kommt dann wahrscheinlich kein richtiges Dach drüber und Mauern drumrum, sondern diese Eisbahn ist nur für diesen Winter gedacht. Hab ich zumindest so erfahren.
Das schöne ist, sie ist schnell aufgebaut und in wenigen Tagen schon kann der Spaß losgehen.
Ist doch mal eine schöne Idee für so ein braunes Stück Nichts.
Wenn ich mehr weiß, kommt ein Update.
Wird ja Zeit…
12. Dezember 2005
…das mal jemand einen Blog für und über Gera macht. Wundert mich eigentlich, dass es das noch nicht gibt. Ist aber nunmal so, also fange ich jetzt damit an.
Warum heißt das Teil jetzt “Radio” G?
Na “G” is klar, oder? Radio heißt es, weil ich eigentlich eine Radiostation für Gera machen will. Also nicht auf UKW oder so - das ist in Deutschland viel zu kompliziert - sondern als Podcast und vielleicht später als Livestream. Schauen wir mal.
Aber jetzt geht es erstmal mit dem Blog los. Da kommt jeden Tag was neues rein. Dinge die mir so passieren in Gera, die ich bemerkenswert finde und natürlich auch Fotos.
Warum mache ich das alles?
Weil Gera eine spannende Stadt ist. Das sehen viele ganz anders. Allerdings schauen viele auch nicht richtig hin.












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